Kleiderordnung – notwendig oder überflüssig? Eine Diskussion.

Es wird langsam Sommer, Kleidung wird weniger. Immer wieder gibt es an der Kreuzgasse dazu Meinungsverschiedenheiten. Vor kurzem wurde das Thema Kleiderordnung für Schüler:innen auch in der SV diskutiert. Dazu habe ich ein Interview mit Frau Hoerner geführt und habe auch andere Lehrer:innen und Schüler:innen gefragt, was sie von einer Kleiderordnung für Schüler:innen halten. Die Antworten wurden anonym gehalten.

Interviews: Redakteurin Betül

CNC: Was ist für Sie geeignete Kleidung in der Schule?

H: Aus meiner Sicht hat die Frage, ob Kleidung angemessen ist oder nicht, etwas mit der Situation zu tun, in der ich mich befinde. Auf dem Abi-Ball werde ich anders gekleidet sein als beim Wandern in den Bergen. Und in der Schule anders als im Strandurlaub. Nun kann man fragen: Was ist den angemessen für die Schule? Und hier gibt es keine einfache allgemeingültige Antwort.

CNC: Was halten Sie grundsätzlich von einer Kleiderordnung an der Kreuzgasse?

Das wurde in den letzten Jahren oft diskutiert: z.B. keine Jogginghosen, eine Mindestlänge bei Shorts oder auch kein “bauchfrei”. Was sollte denn das Ziel einer Kleiderordnung sein? Es gibt Jogginghosen, die aus hochwertigem Material sind und sehr schick aussehen. Und es gibt Jogginghosen, die eher unansehnlich sind. Was die Mindestlänge betrifft: Wer soll das nachmessen? Daraus können neue Diskussion und unangenehme Situationen entstehen. Ich würde mir wünschen, dass es ein Bewusstsein dafür gibt, dass Schule ein Arbeitsplatz ist. Für Lehrer:innen und für Schüler:innen. Wenn du mich konkret nach meiner persönlichen Meinung fragst: ich möchte keine Bauchnabel, Pobacken, Brusthaare oder tiefe Dekolletés in der Schule sehen.

CNC: Haben Sie das Gefühl, das dieses Thema geschlechterabhängig ist, z.B. das Mädchen eher kritisiert werden, wenn sie knapp bekleidet sind, als Jungs?

H: Ich kann mich an eine Zeit erinnern, in der Jungen sehr tief sitzende Hosen trugen. Auch da würde ich sagen: Ich möchte in der Schule nicht die Unterwäsche meiner Schüler:innen sehen. Ich verstehe, dass “Sich-kleiden” Ausdruck von Persönlichkeit und Persönlichkeits-entwicklung ist. Und von Zugehörigkeit und dem, was gerade “in” ist. Es gehört dazu, sich von anderen abzugrenzen und Neues auszuprobieren. Auch hier möchte ich dafür werben: Die Schule ist nicht die Freizeit. Bei uns gibt es die Schulpflicht. Keiner kann sich diesem Raum entziehen. Und wir sollten diesen Raum Schule so gestalten und uns dort so verhalten, dass alle sich wohlfühlen. Es wird immer wieder ein Aushandeln sein zwischen Fürsorge für sich selbst und Fürsorge für die Schulgemeinschaft. Kein Junge zeigt so viel Haut wie manche Mädchen.

Was meinen denn andere Lehrer:innen der Kreuzgasse?

Lehrkraft 1: Kleidung sollte frei wählbar sein – jede und jeder sollte sich wohlfühlen. Wichtig ist nur, dass sie angemessen und nicht übertrieben wirkt – also kein Outfit, das zu vielAufmerksamkeit auf sich zieht und oder andere stören könnte. Es soll einer Lernatmosphäre förderlich sein, ohne jemandem in ihre/seine Persönlichkeit einzugreifen.

Lehrkraft 2: Alles was nicht ablenkt (zu viel oder häufiger zu wenig Stoff) zeigt, das man kein Interesse am Unterricht hat, z.B. Cappies, Mützen, ect. in Sommer sollten keine Schals und im Winter keine T-Shirts getragen werden. Generell würde ich mir wünschen, dass keine Kleiderordnung notwendig ist. Aber klar: Wie soll man ohne eine solche Regelung einzelnen SuS sagen, dass sie unangemessen gekleidet sind? Also: Ja, wir brauchen das, denn leider gibt es vereinzelt SuS, die sich meiner Meinung nach unangemessen kleiden. Die Frage nach Geschlechtsabhängigkeit fällt leicht: Kennt ihr Jungs, die so kurze Shirts tragen, das man quasi von Ansatz der Unterhose (falls man das immer so nennen kann?) bis kurz unter die Brust ihre Haut zeigen? Ich kann euch versprechen, dass das zu 100 Prozent ähnlich geahndet würde wie bei den Mädchen. Mir scheint es da ein Ungleichgewicht zu geben. Ich kenne keinen Jungen, der so viel Haut zeigt wie manche Mädchen.

Überflüssig? Kontrolle? Ungerecht? Was Schüler:innen sagen

Schüler:in 1: Ich finde eine Kleiderordnung an der Kreuzgasse komplett überflüssig. Warum sollte jemand vorschreiben dürfen, was wir anziehen dürfen und was nicht? Schule ist für Lehrer:innen ein Arbeitsplatz, für uns Schüler:innen aber nicht. Wir sind hier zum Lernen, und das in jedem Aspekt. Persönlichkeit, Kreativität und Meinungsbildung, Kleidung gehört da dazu!

Ich finde eine Kleiderordnung weder sinnvoll noch gerecht. Sie ist übergriffig, veraltet und schränkt unsere Freiheit ein. Und das alles wegen ein bisschen Stoff mehr oder weniger? Mädchen sind von diesen Regeln auch stärker betroffen. Statt sie dazu aufzurufen sich zu bedecken, sollte man vielleicht überdenken, warum das überhaupt ein Problem sein soll. Vielleicht liegt es eher an Lehrer*innen, die sich darauf konzentrieren, statt sinnvollen Unterricht zu gestalten.

Schüler:in 2: Ey ganz ehrlich, manche Leute übertreiben halt übelst mit dem Outfit. So ne Kleiderordnung wär schon nice, damit einfach alle bisschen drauf achten, was sie anziehen. Die Schule ist ja keine Modeschau.

Schüler:in 3: Warum soll mir jemand vorschreiben, was ich anziehe? Solange es nicht beleidigend oder komplett freizügig und unangemessen ist, soll doch jeder machen, wie er sich wohlfühlt.

Schüler:in 4: Wenn alle grob wissen, was geht und was nicht, gibts halt auch weniger Stress und Diskussionen mit Lehrern. Spart Zeit und Nerven.

Schüler:in 5: Kleiderordnung klingt halt nach Kontrolle und null Freiheit. Schule ist eh schon stressig genug, dann auch noch Outfits regeln? Nee man.