Interview mit Oberbürgermeisterkandidatin Berivan Aymaz

Im Gespräch mit Berivan Aymaz, Kandidatin für das Amt der Kölner Oberbürgermeisterin, über ihre Pläne und Ideen für die Stadt.

Im Gespräch mit Berivan Aymaz, Kandidatin für das Amt der Kölner Oberbürgermeisterin, über ihre Pläne und Ideen für die Stadt.

Politik:

Welche politischen Schwerpunkte möchten Sie als Oberbürgermeisterin in
Köln setzen?


Als Oberbürgermeisterin möchte ich Köln zu einer Stadt machen, die niemanden zurücklässt. Meine Schwerpunkte sind klar: bezahlbarer Wohnraum für alle Generationen, verlässliche und nachhaltige Mobilität, gute Schulen und Kitas sowie eine starke Klimapolitik, die unsere Stadt zukunftsfest macht. Immer mit Haltung, im engen Austausch mit den Menschen dieser Stadt.

Köln ist eine wachsende Stadt mit vielen Baustellen, zum Beispiel
unsanierte Schulen. Was möchten Sie diesbezüglich tun?


Köln hat viele Baustellen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Beim Schulbau sind wir vorangekommen: Es gibt neue Plätze und modernisierte Gebäude. Aber klar ist auch: Wir müssen weiter mit voller Kraft dranbleiben, damit jedes Kind gute Lernbedingungen hat. Genauso wichtig ist es, bei anderen Projekten den Überblick zu behalten und klug zu priorisieren, damit Köln nicht im Dauerstau der Baustellen stecken bleibt. Zudem müssen wir unsere Stadt besser an den Klimawandel anpassen: mit mehr erneuerbarer Energie und mehr Grün, das uns in heißen Sommern schützt.


Gesellschaftlich

Was möchten Sie konkret für Jugendliche bzw. Schüler verbessern?


Mir ist wichtig, dass junge Menschen in Köln die besten Chancen erhalten: in der Schule, in ihrer Freizeit und für ihre Zukunft. Dafür möchte ich mehr Räume schaffen, in denen sie sich treffen, Sport treiben oder ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Schulen müssen modern ausgestattet sein und über gute digitale Unterstützung sowie genügend Fachkräfte verfügen. Mobilität muss sicher und. bezahlbar sein, zum Beispiel durch ein günstiges Ticket für Bus und Bahn. Die Stimme von Jugendlichen soll gehört werden, deshalb braucht es mehr echte Beteiligung. Außerdem müssen wir Schülerinnen und Schüler besser unterstützen – bei psychischer Gesundheit, in der Ausbildung und beim Einstieg ins Berufsleben. Mein Ziel ist klar: Köln soll eine Stadt sein, in der sich Jugendliche wohlfühlen, ihre Talente entfalten und wirklich mitbestimmen können.


Welche Maßnahmen planen Sie gegen soziale Ungleichheiten in den
Stadtteilen (z. B. Obdachlosigkeit)?


Soziale Ungleichheit ist in Köln besonders dort sichtbar, wo Wohnungen fehlen und Menschen auf der Straße leben. Als Oberbürgermeisterin möchte ich dafür sorgen, dass niemand durch das Raster fällt. Für mich bedeutet das, Wohnungsverlust früh zu verhindern, Betroffene schnell zu unterstützen und mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dazu gehört auch, das Programm „Housing First” auszubauen, damit wohnungslose Menschen direkt eine Wohnung bekommen. Wir brauchen mehr
Streetwork, Schutzräume und Nachtcafés, insbesondere für Frauen und Jugendliche. Außerdem müssen wir städtische Flächen konsequent für den sozialen Wohnungsbau nutzen. Denn Köln soll eine Stadt bleiben, in der jedes Veedel lebenswert ist, egal ob in Ehrenfeld, Mülheim oder Porz.


Persönlich:

Was hat Sie persönlich dazu motiviert, für das Amt zu kandidieren?


Mich motiviert vor allem meine Liebe zu dieser Stadt und den Menschen, die hier leben. Köln hat meiner Familie und mir vor 45 Jahren eine Heimat gegeben, als wir keine mehr hatten. Heute möchte ich als Oberbürgermeisterin dafür sorgen, dass unsere Stadt für alle Kölner*innen eine Heimat ist. Ich bin hier groß geworden, habe hier Politik gelernt und erlebt, wie viel Potenzial in Köln steckt, aber auch, wo wir mutiger sein müssen. Deshalb kandidiere ich: weil Köln jetzt Führung mit Haltung, Mut und Herz braucht.

Global:


Was wird Köln Ihrer Meinung nach gegen die globale Klimakrise tun?


Die Klimakrise macht nicht an Kölns Stadtgrenze halt: Hitzesommer, Starkregen und Luftverschmutzung sind hier schon heute spürbar. Deshalb möchte ich, dass Köln bis 2035 klimaneutral wird. Das erreichen wir durch den Ausbau erneuerbarer Energien, ein besseres Angebot an Rad- und ÖPNV-Verbindungen, mehr Grünflächen und das Schwammstadt-Prinzip zur Bekämpfung von Hitze und Hochwasser. Für mich ist klar: Klimaschutz ist Daseinsvorsorge: er schützt unsere Gesundheit, unsere Stadt und die
Zukunft unserer Kinder.

Wie kann Köln internationaler werden, z. B. im Bereich Kultur oder Austauschprogramme?


Köln ist bereits heute eine internationale Stadt, und genau das möchte ich weiter stärken. Ich möchte, dass mehr junge Menschen im Rahmen von
Austauschprogrammen andere Länder und Kulturen erleben können, sei es in der Schule, in der Ausbildung oder im Studium. Gleichzeitig möchte ich Köln für internationale Künstler*innen noch attraktiver machen und Raum für interkulturelle Projekte schaffen: von großen Festivals bis zu Initiativen in den Stadtvierteln. So wird Köln noch offener, vielfältiger und lebendiger.


Köln ist auch Heimat vieler Migrantinnen und Migranten. Welche Rolle
spielt die Stadt im Bereich Integration und kultureller Vielfalt?


Köln ist vielfältig: Fast 40 Prozent der Menschen hier haben eine internationale Geschichte. Für mich bedeutet Integration vor allem Teilhabe. Jeder und jede soll die gleichen Chancen haben, unabhängig von Herkunft oder Pass – in Schule und Ausbildung, im Beruf, beim Wohnen oder in der Freizeit. Die Stadt muss dafür Räume schaffen: für Sprachförderung, Begegnung, Kultur und die vielen Vereine, die Integration vor Ort leben. Und wir feiern diese Vielfalt, denn sie macht Köln stark, lebendig und offen.

Ziele


Was möchten Sie in den ersten 100 Tagen im Amt umsetzen?


In den ersten 100 Tagen möchte ich zeigen, dass es in Köln jetzt anders läuft:
transparenter, verbindlicher und näher an den Menschen. Mir ist es wichtig, direkt mit allen Fraktionen, der Verwaltung und der Stadtgesellschaft ins Gespräch zu kommen, um klare Prioritäten zu setzen: beim Wohnungsbau, bei Schulen und Kitas sowie beim Klimaschutz.

Wo sehen Sie Köln in fünf Jahren, wenn Sie Oberbürgermeisterin sind?


In fünf Jahren möchte ich, dass Köln spürbar besser funktioniert und man das auch im Alltag merkt. Ich möchte, dass mehr Menschen eine bezahlbare Wohnung finden, Kinder in modernen Schulen lernen und dass man sich sicher und schnell mit Bus, Bahn oder Rad bewegen kann. Ich möchte, dass unsere Stadt grüner geworden ist, mit mehr Bäumen und Plätzen zum Durchatmen. Und dass wir in Köln eine Kultur des Miteinanders leben, in der Respekt, Vielfalt und Zusammenhalt stärker sind als jede
Spaltung. Eine Stadt, die zeigt: Veränderung ist möglich, und sie tut gut.


Wünsche:


Wie können sich junge Menschen einbringen, um gemeinsam Veränderungen zu erreichen?


Kinder und Jugendliche haben in Köln viele Möglichkeiten, ihre Stadt mitzugestalten. Über den Jugendring, die Bezirksschüler*innenvertretung oder die Jugendforen können ihre Ideen direkt in die Politik einfließen. Das Kinder- und Jugendbüro ist eine feste Anlaufstelle, dazu kommen Projekte wie der „Veedels-Check“ oder „Jugend gestaltet Stadt“. Viele engagieren sich auch bei „Fridays for Future“, in Vereinen oder Kulturprojekten. Mit „Misch-MIT!“ wurden die bestehenden Formate sichtbar gemacht, und ich will, dass ihre Stimmen künftig noch stärker gehört werden. Mir ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche sich für ihre Stadt engagieren und ich freue mich sehr darüber.

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