Kategorie: OB-Wahl

  • Interview mit Torsten Burmester, SPD-Kandidat für das Amt des Kölner Oberbürgermeisters

    Interview mit Torsten Burmester, SPD-Kandidat für das Amt des Kölner Oberbürgermeisters

    Frage: Welche politischen Schwerpunkte möchten Sie als Oberbürgermeister in Köln setzen?


    Antwort: Mein größter Schwerpunkt ist bezahlbarer Wohnraum. Die meisten Menschen in Köln wohnen zur Miete, und die Angst um die eigene Wohnung beschäftigt viele. Deshalb will ich den Mieterschutz stärken. Dazu gehören eine gemeinwohlorientierte Wohnungspolitik, die Förderung von Genossenschaften und eine aktive städtische Wohnungsbauwirtschaft.

    Frage: Köln ist eine wachsende Stadt mit vielen Baustellen, zum Beispiel im Bereich Schulen. Was möchten Sie diesbezüglich tun?


    Antwort: Dringend notwendig ist ein koordiniertes Baustellenmanagement und eine geplante Verkehrswende, die alle Verkehrsträger berücksichtigt. Oft werden Entscheidungen isoliert getroffen, etwa zugunsten des Fahrrads, ohne die Auswirkungen auf andere Verkehrsteilnehmer mitzudenken. Deshalb brauchen wir einen starken öffentlichen Nahverkehr und eine ganzheitliche Planung. Sicherheit und Sauberkeit sind ebenfalls wichtige Themen, die ich direkt angehen möchte.

    Frage: Viele Schulen in Köln, auch das Gymnasium Kreuzgasse, warten seit

    Jahrzehnten auf Sanierungen. Was möchten Sie in diesem Bereich tun?
    Antwort: Für die Ausstattung und die Gebäudehülle ist die Stadt zuständig. Wir haben es geschafft, neue Schulen zu bauen, aber die Sanierung bestehender Schulen ist ein großes Defizit. Das liegt vor allem daran, dass die Gebäudewirtschaft überlastet ist. Das Geld für Sanierungen ist da, aber die Umsetzung kommt nicht voran. Hier müssen wir dringend nachsteuern.

    Frage: Was möchten Sie konkret für Jugendliche und Schüler verbessern?


    Antwort: Wichtig ist Beteiligung. Erste Jugendvertretungen gibt es bereits in einigen Bezirksvertretungen, das muss auf die gesamte Stadt ausgeweitet werden. Außerdem brauchen Jugendliche Räume, in denen sie sich treffen können – Jugendzentren, offene Angebote, aber auch Plätze wie Skater- oder Bikeparks. Davon gibt es in vielen Stadtteilen noch zu wenige.

    Frage: Welche Maßnahmen planen Sie gegen soziale Ungleichheiten in den Stadtteilen, zum Beispiel bei Obdachlosigkeit?


    Antwort: Köln ist sozial geteilt, zwischen Innenstadt und Randbezirken gibt es große Unterschiede, etwa bei Kinderbetreuung oder der Lebenserwartung. Besonders die rechtsrheinischen Stadtteile haben großen Nachholbedarf bei Kitas und Schulen.
    Beim Thema Obdachlosigkeit setze ich auf „Housing First“: Menschen brauchen zuerst eine Wohnung, um wieder Fuß zu fassen. Ich habe zum Beispiel Sigi kennengelernt, der obdachlos ist und sagt: „Wenn ich eine Adresse hätte, könnte ich wieder arbeiten.“ Solchen Menschen müssen wir eine Chance geben, mit Wohnraum, Tagesstruktur und Beschäftigungsmöglichkeiten.

    Frage: Was hat Sie persönlich dazu motiviert, für das Amt zu kandidieren?
    Antwort: Drei Gründe: Erstens ist Köln meine Heimat. Zweitens gibt es hier

    große Herausforderungen, die dringend gelöst werden müssen. Und drittens ist die kommunale Demokratie ins Wanken geraten. Viele Menschen glauben nicht mehr daran, dass Politik ihr Leben verbessern kann. Deshalb mache ich einen Wahlkampf, der nah bei den Menschen ist, um Vertrauen zu gewinnen, und dieses Vertrauen als Oberbürgermeister auch einzulösen.

    Frage: Was wird Köln gegen die globale Klimakrise tun?


    Antwort: Köln hat selbstverständlich eine Verantwortung. Wir haben uns vorgenommen, klimaneutral zu werden. Aber Klimaschutz funktioniert nur, wenn er sozial gerecht umgesetzt wird. Wenn Menschen unter den Maßnahmen leiden, verlieren wir die Akzeptanz. Deshalb ist es mir wichtig, Klimapolitik immer mit sozialer Gerechtigkeit zu verbinden.

    Frage: Wie kann Köln internationaler werden, zum Beispiel im Bereich Kultur oder Austauschprogramme?
    Antwort: Köln ist schon heute sehr international – durch die Messe, international tätige Unternehmen, die Medien- und Games-Industrie sowie über achtzig Nationen, die hier leben. Internationalität ist unsere große Chance. Wir brauchen die klugen Köpfe aus aller Welt und müssen eine echte Willkommenskultur schaffen, gerade auch für Fachkräfte. Diese Internationalität sollten wir in allen Bereichen weiter stärken.

    Frage: Köln ist auch Heimat vieler Migrantinnen und Migranten. Welche Rolle spielt die Stadt im Bereich Integration und kultureller Vielfalt?


    Antwort: Integration und Vielfalt sind das Fundament Kölns. Die Stadt lebt seit jeher von ihrer Internationalität, von Offenheit und Zusammenhalt. Wir müssen dafür sorgen, dass alle Menschen unabhängig von Herkunft und Religion gleiche Chancen haben. Das bedeutet, Integration aktiv zu fördern, Diskriminierung entschieden entgegenzutreten und Räume für Begegnung zu schaffen.

    Frage: Was möchten Sie in den ersten Tagen im Amt umsetzen?


    Antwort: Ich will mich auf wenige, aber wichtige Ziele konzentrieren: Erstens das Thema Sauberkeit, zweitens die Neugestaltung des Neumarkts und drittens den Mieterschutz. Dazu gehören Milieuschutzsatzungen, Maßnahmen gegen Leerstand und Schrottimmobilien sowie eine Wohnungsleitstelle, die Beschwerden bündelt. Die Menschen in Köln sollen gleich zu Beginn spüren: Es bewegt sich etwas.

    Frage: Wo sehen Sie Köln in fünf Jahren, wenn Sie Oberbürgermeister sind?


    Antwort: Wenn es gelingt, die Benchmarks zu erreichen, die ich mir gesetzt habe, dann sehe ich Köln in einer deutlich besseren Situation: eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt, neue Arbeitsplätze, eine starke Industrie, die gleichzeitig Gewerbesteuern sichert, und eine lebendige Kultur- und Sportszene, die den sozialen Zusammenhalt stärkt.

    Frage: Wie können sich junge Menschen einbringen, um gemeinsam Veränderungen zu erreichen?


    Antwort: Mein Appell ist klar: Macht mit, beteiligt euch, bringt Ideen ein und mischt euch ein. Seid nicht leise, sondern gestaltet eure eigene Zukunft aktiv mit. Nicht wegducken, sondern mitdiskutieren – das ist entscheidend.

  • Interview mit Oberbürgermeisterkandidatin Berivan Aymaz

    Interview mit Oberbürgermeisterkandidatin Berivan Aymaz

    Im Gespräch mit Berivan Aymaz, Kandidatin für das Amt der Kölner Oberbürgermeisterin, über ihre Pläne und Ideen für die Stadt.

    Politik:

    Welche politischen Schwerpunkte möchten Sie als Oberbürgermeisterin in
    Köln setzen?


    Als Oberbürgermeisterin möchte ich Köln zu einer Stadt machen, die niemanden zurücklässt. Meine Schwerpunkte sind klar: bezahlbarer Wohnraum für alle Generationen, verlässliche und nachhaltige Mobilität, gute Schulen und Kitas sowie eine starke Klimapolitik, die unsere Stadt zukunftsfest macht. Immer mit Haltung, im engen Austausch mit den Menschen dieser Stadt.

    Köln ist eine wachsende Stadt mit vielen Baustellen, zum Beispiel
    unsanierte Schulen. Was möchten Sie diesbezüglich tun?


    Köln hat viele Baustellen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Beim Schulbau sind wir vorangekommen: Es gibt neue Plätze und modernisierte Gebäude. Aber klar ist auch: Wir müssen weiter mit voller Kraft dranbleiben, damit jedes Kind gute Lernbedingungen hat. Genauso wichtig ist es, bei anderen Projekten den Überblick zu behalten und klug zu priorisieren, damit Köln nicht im Dauerstau der Baustellen stecken bleibt. Zudem müssen wir unsere Stadt besser an den Klimawandel anpassen: mit mehr erneuerbarer Energie und mehr Grün, das uns in heißen Sommern schützt.


    Gesellschaftlich

    Was möchten Sie konkret für Jugendliche bzw. Schüler verbessern?


    Mir ist wichtig, dass junge Menschen in Köln die besten Chancen erhalten: in der Schule, in ihrer Freizeit und für ihre Zukunft. Dafür möchte ich mehr Räume schaffen, in denen sie sich treffen, Sport treiben oder ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Schulen müssen modern ausgestattet sein und über gute digitale Unterstützung sowie genügend Fachkräfte verfügen. Mobilität muss sicher und. bezahlbar sein, zum Beispiel durch ein günstiges Ticket für Bus und Bahn. Die Stimme von Jugendlichen soll gehört werden, deshalb braucht es mehr echte Beteiligung. Außerdem müssen wir Schülerinnen und Schüler besser unterstützen – bei psychischer Gesundheit, in der Ausbildung und beim Einstieg ins Berufsleben. Mein Ziel ist klar: Köln soll eine Stadt sein, in der sich Jugendliche wohlfühlen, ihre Talente entfalten und wirklich mitbestimmen können.


    Welche Maßnahmen planen Sie gegen soziale Ungleichheiten in den
    Stadtteilen (z. B. Obdachlosigkeit)?


    Soziale Ungleichheit ist in Köln besonders dort sichtbar, wo Wohnungen fehlen und Menschen auf der Straße leben. Als Oberbürgermeisterin möchte ich dafür sorgen, dass niemand durch das Raster fällt. Für mich bedeutet das, Wohnungsverlust früh zu verhindern, Betroffene schnell zu unterstützen und mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dazu gehört auch, das Programm „Housing First” auszubauen, damit wohnungslose Menschen direkt eine Wohnung bekommen. Wir brauchen mehr
    Streetwork, Schutzräume und Nachtcafés, insbesondere für Frauen und Jugendliche. Außerdem müssen wir städtische Flächen konsequent für den sozialen Wohnungsbau nutzen. Denn Köln soll eine Stadt bleiben, in der jedes Veedel lebenswert ist, egal ob in Ehrenfeld, Mülheim oder Porz.


    Persönlich:

    Was hat Sie persönlich dazu motiviert, für das Amt zu kandidieren?


    Mich motiviert vor allem meine Liebe zu dieser Stadt und den Menschen, die hier leben. Köln hat meiner Familie und mir vor 45 Jahren eine Heimat gegeben, als wir keine mehr hatten. Heute möchte ich als Oberbürgermeisterin dafür sorgen, dass unsere Stadt für alle Kölner*innen eine Heimat ist. Ich bin hier groß geworden, habe hier Politik gelernt und erlebt, wie viel Potenzial in Köln steckt, aber auch, wo wir mutiger sein müssen. Deshalb kandidiere ich: weil Köln jetzt Führung mit Haltung, Mut und Herz braucht.

    Global:


    Was wird Köln Ihrer Meinung nach gegen die globale Klimakrise tun?


    Die Klimakrise macht nicht an Kölns Stadtgrenze halt: Hitzesommer, Starkregen und Luftverschmutzung sind hier schon heute spürbar. Deshalb möchte ich, dass Köln bis 2035 klimaneutral wird. Das erreichen wir durch den Ausbau erneuerbarer Energien, ein besseres Angebot an Rad- und ÖPNV-Verbindungen, mehr Grünflächen und das Schwammstadt-Prinzip zur Bekämpfung von Hitze und Hochwasser. Für mich ist klar: Klimaschutz ist Daseinsvorsorge: er schützt unsere Gesundheit, unsere Stadt und die
    Zukunft unserer Kinder.

    Wie kann Köln internationaler werden, z. B. im Bereich Kultur oder Austauschprogramme?


    Köln ist bereits heute eine internationale Stadt, und genau das möchte ich weiter stärken. Ich möchte, dass mehr junge Menschen im Rahmen von
    Austauschprogrammen andere Länder und Kulturen erleben können, sei es in der Schule, in der Ausbildung oder im Studium. Gleichzeitig möchte ich Köln für internationale Künstler*innen noch attraktiver machen und Raum für interkulturelle Projekte schaffen: von großen Festivals bis zu Initiativen in den Stadtvierteln. So wird Köln noch offener, vielfältiger und lebendiger.


    Köln ist auch Heimat vieler Migrantinnen und Migranten. Welche Rolle
    spielt die Stadt im Bereich Integration und kultureller Vielfalt?


    Köln ist vielfältig: Fast 40 Prozent der Menschen hier haben eine internationale Geschichte. Für mich bedeutet Integration vor allem Teilhabe. Jeder und jede soll die gleichen Chancen haben, unabhängig von Herkunft oder Pass – in Schule und Ausbildung, im Beruf, beim Wohnen oder in der Freizeit. Die Stadt muss dafür Räume schaffen: für Sprachförderung, Begegnung, Kultur und die vielen Vereine, die Integration vor Ort leben. Und wir feiern diese Vielfalt, denn sie macht Köln stark, lebendig und offen.

    Ziele


    Was möchten Sie in den ersten 100 Tagen im Amt umsetzen?


    In den ersten 100 Tagen möchte ich zeigen, dass es in Köln jetzt anders läuft:
    transparenter, verbindlicher und näher an den Menschen. Mir ist es wichtig, direkt mit allen Fraktionen, der Verwaltung und der Stadtgesellschaft ins Gespräch zu kommen, um klare Prioritäten zu setzen: beim Wohnungsbau, bei Schulen und Kitas sowie beim Klimaschutz.

    Wo sehen Sie Köln in fünf Jahren, wenn Sie Oberbürgermeisterin sind?


    In fünf Jahren möchte ich, dass Köln spürbar besser funktioniert und man das auch im Alltag merkt. Ich möchte, dass mehr Menschen eine bezahlbare Wohnung finden, Kinder in modernen Schulen lernen und dass man sich sicher und schnell mit Bus, Bahn oder Rad bewegen kann. Ich möchte, dass unsere Stadt grüner geworden ist, mit mehr Bäumen und Plätzen zum Durchatmen. Und dass wir in Köln eine Kultur des Miteinanders leben, in der Respekt, Vielfalt und Zusammenhalt stärker sind als jede
    Spaltung. Eine Stadt, die zeigt: Veränderung ist möglich, und sie tut gut.


    Wünsche:


    Wie können sich junge Menschen einbringen, um gemeinsam Veränderungen zu erreichen?


    Kinder und Jugendliche haben in Köln viele Möglichkeiten, ihre Stadt mitzugestalten. Über den Jugendring, die Bezirksschüler*innenvertretung oder die Jugendforen können ihre Ideen direkt in die Politik einfließen. Das Kinder- und Jugendbüro ist eine feste Anlaufstelle, dazu kommen Projekte wie der „Veedels-Check“ oder „Jugend gestaltet Stadt“. Viele engagieren sich auch bei „Fridays for Future“, in Vereinen oder Kulturprojekten. Mit „Misch-MIT!“ wurden die bestehenden Formate sichtbar gemacht, und ich will, dass ihre Stimmen künftig noch stärker gehört werden. Mir ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche sich für ihre Stadt engagieren und ich freue mich sehr darüber.

  • Stadtrat-Wahl Köln: SPD-Kandidatin Manon Elisabeth Klein im Gespräch

    Stadtrat-Wahl Köln: SPD-Kandidatin Manon Elisabeth Klein im Gespräch

    Politik

    Frage: Welche politischen Schwerpunkte wollen Sie als Stadträtin in Köln umsetzen?


    Antwort: Wohnen ist unser zentraler Schwerpunkt. Köln braucht bezahlbaren Wohnraum für Studierende, Auszubildende und Familien, kurze Wege, Barrierefreiheit, sichere Plätze und Quartiere, die sozial gerecht entwickelt werden.

    Frage: Wie wollen Sie mit anderen Parteien zusammenarbeiten?


    Antwort: Wir schließen die AfD klar aus. Mit allen anderen Parteien ist Zusammenarbeit nötig, um Mehrheiten zu bilden. Wichtig ist, Kompromisse zu finden, ohne sozialdemokratische Werte zu verraten.

    Frage: Köln wächst – wo sehen Sie die größte Dringlichkeit?


    Antwort: Im Wohnen. Studierende und Auszubildende finden oft keinen Platz. Wir müssen Wohnen, Verkehr und soziale Infrastruktur als Einheit planen.

    Gesellschaft

    Frage: Was möchten Sie für Jugendliche, Studierende und Familien verbessern?


    Antwort: Ausbau von Wohnheimen, soziale Infrastruktur in benachteiligten Veedeln, Unterstützung von Alleinerziehenden, Bildungsgerechtigkeit und Bekämpfung von Kinderarmut.

    Frage: Wie wollen Sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken?


    Antwort: Durch Angebote wie Jugendtreffs und Demokratiefestivals, die Begegnung fördern. Die Stadt schafft Strukturen, die Gesellschaft muss Engagement zeigen.

    Global

    Frage: Welche Verantwortung hat Köln in der globalen Klimakrise?


    Antwort: Verantwortung primär für die eigene Stadt, z. B. Begrünung, Hitzeschutz, Schwammstädte. Austausch mit Städten wie Wien, um soziale und ökologische Maßnahmen zu kombinieren.

    Frage: Wie soll Köln internationaler werden?


    Antwort: Förderung von Städtepartnerschaften, zivilgesellschaftlichem Austausch, Kulturprogrammen und mehr Unterstützung für internationale Austauschprogramme, besonders für Jugendliche.

    Persönlich

    Frage: Was hat Sie motiviert, zu kandidieren?


    Antwort: Engagement in der SPD seit 2019, Wunsch, feministische und jugendsozialistische Perspektiven einzubringen, auf kommunaler Ebene schnelle, sichtbare Veränderungen zu bewirken.

    Frage: Welche Werte prägen Ihre politische Laufbahn?


    Antwort: Feminismus, Antirassismus, Internationalismus, Solidarität, Chancengleichheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt.

    Frage: Was unterscheidet Sie von anderen Kandidaten?


    Antwort: Fokus auf soziale Unterstützung statt individueller Leistung, realistische Umsetzung sozialer Politik, Kombination aus Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit.

    Ziele

    Frage: Wie sehen Sie Köln in fünf Jahren?


    Antwort: Sozialer, inklusiver und lebenswerter, mit mehr Angeboten für Jugendliche und Randviertel, stärker durchdachte Quartiere und Infrastruktur.

    Frage: Was wäre ein Erfolgsmoment für Sie?


    Antwort: Wenn Bürgerinnen und Bürger sagen, dass Veränderungen sichtbar und hilfreich sind, z. B. konkrete Verbesserungen im Alltag, wie sichere öffentliche Plätze oder nutzbare Einrichtungen.

  • Interview mit der Stadtratskandidatin Ulrike Gruner der CDU

    Interview mit der Stadtratskandidatin Ulrike Gruner der CDU

    Ahmed und Tom von Cross News Cologne haben die Gelegenheit genutzt, im Rahmen der Kommunalwahl verschiedene Kandidatinnen und Kandidaten zu treffen und ihnen Fragen zu stellen. Dabei wollten wir erfahren, welche politischen Schwerpunkte sie setzen möchten, wie sie die Zukunft Kölns sehen und welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen.

    In diesem Interview haben wir mit Ulrike Gruner, Kandidatin der CDU, gesprochen.

    CNC: Die erste Frage wäre: Welche politischen Schwerpunkte wollen Sie jetzt im Stadtrat umsetzen?

    Ulrike Gruner: Also mein Fachgebiet ist die Kultur, speziell die Musik. Da bin ich auch tätig in Vereinen, und das ist mein Anliegen. Ich würde mich auf jeden Fall für den Kulturstaat einsetzen wollen.

    CNC: Und wie wollen Sie das genau umsetzen in Bezug auf die Zusammenarbeit mit anderen Parteien im Stadtrat?

    Ulrike Gruner: Ich denke, dass alle Parteien gute Ideen haben, wie man Kultur fördern kann, welche Kultur man fördern kann. Und ich würde auf jeden Fall auf die Ratsmitglieder der anderen Parteien zugehen. Ohne das geht es aus meiner Sicht sowieso nicht. Also eine Zusammenarbeit mit Musik. 

    CNC: Köln ist ja eine sehr wachsende Stadt, die aber auch viele Baustellen hat, zum Beispiel im Bereich Digitalisierung, Wohnungen, Verkehr. Wo sehen Sie die größte Dringlichkeit?

    Ulrike Gruner: Das ist schwer zu sagen. Also ich finde den Verkehr sehr, sehr dringend. Zumal es da auch Baustellen gibt, die nicht unbedingt zielführend sind, und Experimente, die auch nicht zielführend sind. Aber natürlich ist das Wohnen genauso wichtig. Gerade auch im Hinblick auf die große Obdachlosigkeit, aber auch für Bürger, die Wohnungen bezahlen können. Das ist ein großes Problem, da ist es schwierig, Prioritäten zu setzen.

    CNC: Auf gesellschaftlicher Ebene: Was würden Sie konkret für Jugendliche, Studenten und Familien verbessern wollen?

    Ulrike Gruner: Für Studenten ist das Wohnproblem eine ganz große Frage. Das ist aber immer schon so gewesen, also nicht ganz neu. Aber es explodiert natürlich zunehmend, gerade jetzt zurzeit, wo die Unis wieder anfangen. Viele Studierende finden kaum einen Wohnungsplatz, sind in irgendwelchen Einrichtungen untergebracht. Das ist ein echtes Problem.

    Für Jugendliche allgemein, aus kulturellem Aspekt, denke ich, gibt es schon viele schöne Angebote in Köln, gerade in Ehrenfeld. Das sollte unbedingt erhalten und zugänglich bleiben. Natürlich gibt es auch Weiterbildungsmöglichkeiten wie Musikschule. Das würde ich allgemein fördern.

    CNC: Welche Maßnahmen würden Sie gegen soziale Ungleichheiten planen, in Ehrenfeld, aber auch in anderen Stadtteilen?

    Ulrike Gruner: Ich denke, das Thema Sozialwohnungen ist sehr wichtig. Auch die Obdachlosigkeit hatten wir eben schon. Es gibt durchaus soziale Programme. Ich würde zuerst schauen, was es an guten Initiativen schon gibt, und dann in kleinen Schritten Verbesserungen herzustellen, wo es nötig ist.

    CNC: Wie würden Sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern, gerade weil Köln so vielseitig ist?

    Ulrike Gruner: Ich persönlich versuche, Zusammenhalt zu fördern, indem ich offen bin für Kontakte, indem ich nicht andere schlechtmache, sondern nachfrage, wenn jemand Schwierigkeiten hat. Gerade im Wahlkampf merkt man, wie verschlossen manche Menschen für Argumente sind. Da ist Offenheit und Zuhören wichtig.

    CNC: Wenn wir uns die Schulen ansehen, viele benötigen Sanierungen oder müssen in der Digitalisierung aufholen. Gibt es da Pläne oder Programme?

    Ulrike Gruner: Was Schule und Schulbau angeht, wird im Moment sehr viel gemacht, alle sechs Wochen wird eine neue Schule eröffnet. Das ist natürlich gut. Aber ältere Schulen, die saniert werden müssen, sollten schneller in den Fokus kommen. Digitalisierung finde ich enorm wichtig, aber auch der Zustand von Räumen und Toiletten. Wobei ich manchmal denke, dass die Ansprüche sehr hoch angesetzt sind. Wenn ich auf meine eigene Schulzeit zurückblicke – das waren alte Gebäude, und man musste mit dem auskommen, was da war. Natürlich darf man träumen, aber man muss die Realität sehen.

    CNC: Was hat Sie persönlich motiviert, für den Stadtrat zu kandidieren?

    Ulrike Gruner: Mein kulturelles Engagement. Ich bin im Künstlerinnenverein GEDOK, der nächstes Jahr 100 Jahre alt wird. Dort bin ich in Köln für die Musik zuständig. Außerdem engagiere ich mich bei den Museumsfreunden. So habe ich ein großes Interesse an Kulturpolitik.

    CNC: Welche Werte sind Ihnen am wichtigsten?

    Ulrike Gruner: Die Menschenwürde ist für mich selbstverständlich, das ist prioritär. Solange es möglich ist, sollte man im Guten miteinander auskommen, im Kleinen wie international. Aber man darf nicht aus den Augen verlieren, dass es auch Feindseligkeit gibt. Dann darf man nicht mehr nur freundlich sein.

    CNC: Was unterscheidet Sie von anderen Kandidaten?

    Ulrike Gruner: Vielleicht, dass ich stark zur Kultur tendiere und nicht so „politisch“ unterwegs bin wie andere. Ich will nicht um jeden Preis siegen, sondern mich einsetzen, auch in kleineren Bereichen.

    CNC: Welche Verantwortung trägt Köln in der Klimakrise?

    Ulrike Gruner: Die gleiche wie jede Stadt und jedes Land. Köln sollte Grün und Entsiegelung fördern, aber mit Maß. Man darf nicht einseitig entsiegeln, sonst gehen Geschäfte und Verkehrswege kaputt. Das muss im Gleichgewicht bleiben.

    CNC: Wie kann Köln internationaler werden?

    Ulrike Gruner: Köln ist schon sehr international. Die Musikhochschule hat Austauschprogramme, Festivals wie „Achtbrücken“ waren international – leider wurde es aus Geldmangel gestrichen. Solche Dinge dürfen nicht wegbrechen.

    CNC: Köln ist Heimat vieler Migranten. Welche Rolle spielt die Stadt in Integration und Vielfalt?

    Ulrike Gruner: Eine große. Ehrenfeld ist das beste Beispiel: seit Jahrzehnten leben Kulturen zusammen. Allein die Moschee zeigt, dass wir offen für Vielfalt sind. 

    CNC: Wenn Sie sofort ein Kulturprojekt starten könnten – welches wäre das?

    Ulrike Gruner: Kultur ist in Köln sehr differenziert. Es gibt die etablierten Häuser und die freie Szene. Die freie Szene braucht dringend Unterstützung. Freischaffende Künstler leben von Honoraren, die meist zu niedrig sind. Zwar gibt es Beschlüsse zu Honoraruntergrenzen, aber das führt dazu, dass sich viele Häuser Projekte nicht mehr leisten können. Das ist sehr komplex und da muss dringend weitergearbeitet werden.

    CNC: Wo sehen Sie Köln in fünf Jahren, wenn sie gewählt werden?

    Ulrike Gruner: Ich wünsche mir, dass die vielen Baustellen weg sind, dass es eine kluge Verkehrsführung gibt und weniger Experimente mit Einbahnstraßen. Auch die ewigen Baustellen sollten endlich beendet werden. Und ich fände es gut, wenn das Problem der Drogenabhängigkeit besser kanalisiert würde. Das ist ein schwieriges Thema, aber wichtig.

    CNC: Was wäre für Sie ein Erfolgsmoment, wenn Sie gewinnen?

    Ulrike Gruner: Wenn ich durch die Stadt gehe und sie wieder genießen kann. Wenn der Leerstand in den Geschäften zurückgeht und wieder mehr kleine Läden entstehen, wie es sie vor 10–15 Jahren gab.

    CNC: Was wünschen Sie sich von den Bürgern Kölns?

    Ulrike Gruner: Dass sie nicht sofort andere schlechtmachen, sondern genauer hinschauen und mehr an einem Strang ziehen. Jede Gruppe hat ihre Interessen – man sieht das gerade beim FC oder an den Gleueler Wiesen. Aber festgefahrene Meinungen bringen nichts.

    CNC: Welche Rolle können junge Menschen dabei spielen?

    Ulrike Gruner: Ein gutes Beispiel geben. Eigentlich sollten die Älteren das tun, aber junge Menschen sind enorm wichtig – wenn nicht die Wichtigsten.

  • Interview mit Lars Wolfram (Volt), Oberbürgermeisterkandidat

    Interview mit Lars Wolfram (Volt), Oberbürgermeisterkandidat

    Ein Gespräch über Mut, Chancen und Kölns Zukunft.

    Politik

    Frage: Welche politischen Schwerpunkte möchten Sie als Oberbürgermeister in Köln umsetzen?


    Antwort: Köln braucht wieder eine klare Vision. Unter „Köln kann mehr“ will ich Unternehmen anziehen, Innovation fördern und eine Willkommenskultur stärken. Wichtig sind eine digitalisierte Verwaltung nach estnischem Vorbild sowie eine konsequente Mobilitätswende mit mehr ÖPNV, weniger Autos und Klimaschutz..

    Frage: Wie wollen Sie die Zusammenarbeit mit anderen Parteien im Stadtrat gestalten?


    Antwort: Volt setzt auf faktenbasierte Entscheidungen statt fester Bündnisse. Wir wollen wechselnde Mehrheiten je nach Thema und so Hinterzimmerdeals vermeiden.

    Frage: Köln ist eine wachsende Stadt mit vielen Baustellen: Verkehr, Wohnen, Digitalisierung. Wo sehen Sie die größte Dringlichkeit?


    Antwort: In der Vereinfachung und Digitalisierung von Prozessen. Weniger Bürokratie schafft Ressourcen für Wohnen, Mobilität und Bildung.

    Gesellschaft

    Frage: Was möchten Sie konkret für Jugendliche, Studierende und Familien verbessern?

    Antwort: Schulen müssen modern ausgestattet werden. Ziel ist echte Chancengerechtigkeit: mehr Unterstützung für Kinder mit Nachholbedarf und gezielte Förderung besonderer Talente.

    Frage: Wie wollen Sie soziale Ungleichheiten zwischen den Stadtteilen verringern?

    Antwort: Wir brauchen Ausgleich zwischen den Veedeln: mehr Wohnraum auch in Lindenthal oder Marienburg, bessere Infrastruktur in benachteiligten Stadtteilen.

    Frage: Köln ist eine vielfältige Stadt. Wie wollen Sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken?

    Antwort: Vielfalt gehört zu Kölns DNA. Karneval zeigt, wie Menschen zusammenfinden. Köln soll bunt bleiben und sich klar gegen Populismus stellen.

    Persönlich

    Frage: Was hat Sie motiviert, für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren?

    Antwort: Ich komme aus Porz, habe ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitenden aufgebaut und wurde durch den Populismus bei der Europawahl politisch aktiv. Als Vater von zwei Töchtern will ich Verantwortung übernehmen.

    Frage: Welche Werte haben Ihre politische Laufbahn geprägt?

    Antwort: Authentizität, Ehrlichkeit und Mut. Ich begegne Menschen auf Augenhöhe und will, dass Köln Veränderungen nicht aus Angst scheut.

    Frage: Was unterscheidet Sie von den anderen Kandidatinnen und Kandidaten?

    Antwort: Ich bin Unternehmer, kein Verwaltungsmensch. Ich probiere Neues, lerne aus Fehlern und akzeptiere „geht nicht“ nicht.

    Global

    Frage: Welche Verantwortung trägt Köln in der globalen Klimakrise?

    Antwort: Kommunalpolitik kann viel bewegen, da man Veränderungen direkt zu spüren bekommt: Autospuren zu Radspuren oder Ausbau des ÖPNV. Köln muss vorangehen.

    Frage: Wie soll Köln internationaler werden, zum Beispiel im Bereich Austauschprogramme oder Kultur?

    Antwort: Köln ist schon eine internationale Stadt, doch wir müssen sie noch attraktiver für Fachkräfte machen. Dafür möchte ich einen International Welcome Desk einrichten, der Neuankömmlingen alle Behördengänge abnimmt und sie schnell integriert.

    Frage: Was bedeutet für Sie Integration?

    Antwort: Integration und Vielfalt gehören zu Köln wie der Dom. Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen aus aller Welt hier nicht nur willkommen sind, sondern auch die Strukturen vorfinden, die ihnen Teilhabe ermöglichen.

    Ziele

    Frage: Was würden Sie in den ersten 100 Tagen als Oberbürgermeister anpacken?

    Antwort: Erstens: eine klare Vision mit messbaren Zielen. Zweitens: Mobilitätswende ohne Tunnel, Neumarkt und Ebertplatz nach Züricher Modell. Drittens: Digitalisierung der Verwaltung mit Fahrplan.

    Frage: Wo sehen Sie Köln in fünf Jahren?

    Antwort: Ein autoarmer Neumarkt, eine funktionierende digitale Verwaltung und eine Stadt, die mutig entscheidet und offen bleibt. Wer neu ankommt, soll binnen Tagen alles erledigen können.

    Frage: Was wäre für Sie ein Erfolgsmoment, wo Sie sagen würden:”Dafür hat es sich gelohnt”?

    Antwort: Erfolg bedeutet für mich, dass Köln mutige Entscheidungen trifft und aus Fehlern lernt. Und es wäre ein Erfolg, wenn die AfD in Köln künftig keinen größeren Zuspruch mehr erhält als bisher.

    Wünsche an die Stadtgesellschaft

    Frage: Was wünschen Sie sich von den Bürgerinnen und Bürgern Kölns, um gemeinsam Veränderungen zu erreichen?

    Antwort: Seien Sie mutig, treffen Sie Entscheidungen, die Köln nach vorne bringen. Wir müssen als Stadt solidarisch sein – Nord und Süd, Arm und Reich. Wir brauchen mehr Wohnraum auch in wohlhabenden Vierteln und endlich konkrete Schritte beim Thema Windenergie.

    Frage: Welche Rolle spielen junge Menschen dabei?

    Antwort: Eine entscheidende. Ihr habt die Zukunft noch vor euch. Bleibt laut, bringt euch ein und fordert die ältere Generation. Sie darf die Klimakrise nicht auf euch abwälzen.

  • Interview mit dem Oberbürgermeisterkandidat Matthias Büschges von der AfD

    Interview mit dem Oberbürgermeisterkandidat Matthias Büschges von der AfD

    Ahmed und Tom von Cross News Cologne haben sich mit Matthias Büschges, Kandidat der AfD für das Amt des Oberbürgermeisters von Köln, getroffen. Ziel war es, Einblicke in seine politischen Schwerpunkte, Visionen für die Stadt und Pläne für verschiedene gesellschaftliche Gruppen zu erhalten. In einem ausführlichen Interview haben wir über Familienpolitik, Verkehr, soziale Ungleichheit, Kultur und die Rolle der Jugendlichen gesprochen, um unseren Leserinnen und Lesern eine Orientierung bei der Oberbürgermeisterwahl zu bieten.

    CNC: Welche politischen Schwerpunkte setzen Sie als Oberbürgermeister in Köln um?

    Matthias Büschges: Für mich ist es sehr wichtig, dass ich kürzlich zum dritten Mal Vater geworden bin. Ich weiß, wie anstrengend es ist, sich durch den Kölner Behördendschungel zu kämpfen. Ich möchte einen behördenfreien Monat einführen, damit Eltern Zeit mit ihrem Kind haben. Mir fehlt die Wertschätzung gegenüber Eltern, das ist ein Schwerpunkt von mir. Ich möchte, dass Eltern ihre Kinder willkommen heißen können, ohne sofort mit Formalitäten überflutet zu werden.

    Zudem plane ich, die KVB zu verbessern: solide finanziert, zuverlässig und sicher, sodass jeder frei entscheiden kann, wie er sich fortbewegt. Straßen müssen in gutem Zustand sein, und der Verkehr sollte ohne Experimente möglich sein. Sauberkeit ist ein weiteres zentrales Thema. Mülleimer müssen regelmäßig geleert werden, und die Kölner sollen wieder stolz auf ihre Stadt sein. Köln hat eine lange und bedeutende Geschichte, die den Menschen nähergebracht werden muss, damit Lokalpatriotismus entsteht. Mit gutem Beispiel voranzugehen ist entscheidend.

    CNC: Und wie wollen Sie das umsetzen? Zum Beispiel in Zusammenarbeit mit anderen Parteien?

    Matthias Büschges: In den letzten zehn Jahren gab es kaum Kooperationen. Hinter den Kulissen gab es Gesprächsangebote, aber Anträge wurden oft nicht umgesetzt. Wir wollen weiterhin Sachpolitik machen, die auf Köln ausgerichtet ist, und hoffen auf Gesprächsbereitschaft anderer Fraktionen. Ich bin realistisch, dass es schwer sein wird, große Durchbrüche zu erzielen, aber wir bleiben bei der Sache.

    CNC: Wo sehen Sie die größte Dringlichkeit? Bei Verkehr, Wohnungen oder Digitalisierung?

    Matthias Büschges: Alle Themen sind eng miteinander verbunden. Verkehr ist unverzichtbar, und zugleich besteht eine eklatante Wohnungsnot. Wir müssen mehr bauen und den Verwaltungsaufwand reduzieren, damit schneller gebaut werden kann und Investoren angesprochen werden. Gleichzeitig darf die Verkehrswende nicht vernachlässigt werden, weil jeder sich bewegen können muss.

    CNC: Was möchten Sie für Jugendliche, Studierende oder Familien verbessern?

    Matthias Büschges: Ein Familienausschuss soll Räume für Jugendliche schaffen, damit sie nicht verloren gehen. Begegnungscafés, die Selbstorganisation ermöglichen, und weitere Projekte gegen Einsamkeit sind wichtig. Junge Familien könnten vom erweiterten Willkommenspaket profitieren, etwa mit kostenfreien Sportvereins-Mitgliedschaften oder Angeboten für Eltern-Kind-Aktivitäten. Besonders Alleinerziehende brauchen Unterstützung, um psychische Belastungen wie Wochenbettdepressionen vorzubeugen.

    CNC: Welche Maßnahmen planen Sie gegen soziale Ungleichheit?

    Matthias Büschges: Soziale Ungleichheit wird auf kommunaler Ebene kaum vollständig zu beheben sein. Schuluniformen können den sozialen Druck mindern. Viel wichtiger ist, Engagement zu fördern, Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten zu geben, Freundschaften zu schließen und soziale Kompetenzen zu entwickeln. Auch kleine Initiativen können Unterschiede ausgleichen.

    CNC: Was hat Sie persönlich motiviert, OB zu kandidieren?

    Matthias Büschges: Ich arbeite seit zehn Jahren für die AfD, seit 2019 als Fraktionsgeschäftsführer, und seit 2020 im Stadtrat. Unter Henriette Reker wurden Missstände nicht genug angegangen. Mein Fokus liegt auf Familien, Sicherheit und Kindergartenplätzen. Ich möchte nahe an den Problemen der Bürger sein und konkrete Lösungen umsetzen. Dabei geht es nicht um Prestigeprojekte, sondern um die Verbesserung der Lebensqualität.

    CNC: Welche Werte haben Ihre politische Laufbahn geprägt?

    Matthias Büschges: Loyalität, Verbindlichkeit und greifbare Politik sind mir besonders wichtig. Viele Menschen fühlen sich von der Politik entfremdet, und ich antworte auf jede Anfrage persönlich. Bürgernähe und Transparenz sind Grundpfeiler meines Handelns. Es ist entscheidend, Politik verständlich und zugänglich zu machen, damit die Menschen Vertrauen haben.

    CNC: Welche Verantwortung trägt Köln in der globalen Klimakrise?

    Matthias Büschges: Wir müssen realistisch sein: Eine Kommune kann global wenig verändern, aber Vorbildfunktionen erfüllen. Verkehrsangebote sollen attraktiv gestaltet werden, nicht durch Verbote eingeschränkt. Jeder soll sich frei bewegen können, mit Auto, Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Ideologiefreie, praktikable Lösungen, sind entscheidend.

    CNC: Wie kann Köln internationaler werden?

    Matthias Büschges: Köln ist bereits international geprägt. Museen, Dom und Karneval sind Alleinstellungsmerkmale. Kultur muss authentisch und zugänglich bleiben. Wir sollten die vorhandenen Angebote bündeln, um Besucher gezielt anzusprechen und Köln als kulturellen Magnet zu stärken. Ehrlichkeit und Authentizität sind dabei der Schlüssel.

    CNC: Was möchten Sie in den ersten 100 Tagen umsetzen?

    Matthias Büschges: Zuerst die Verwaltung kennenlernen, Mitarbeiter und Abläufe verstehen. Dann den Haushalt sondieren, um Stellschrauben für Verbesserungen zu identifizieren. Infrastruktur und Projekte werden nach und nach optimiert, wobei Priorität auf dringende und realistische Maßnahmen gelegt wird. Transparenz und Kommunikation sind mir dabei besonders wichtig.

    CNC: Wo sehen Sie Köln in fünf Jahren?

    Matthias Büschges: Eine saubere, sichere Innenstadt, gepflegte Spielplätze und Jugendzentren. Köln in seiner Großartigkeit, wo Menschen sich wohlfühlen und Stolz empfinden. Wenn Bürger die Verbesserungen wahrnehmen und sich wieder mehr mit der Stadt identifizieren, ist viel erreicht.

    CNC: Was wäre ein persönlicher Erfolgsmoment?

    Matthias Büschges: Der Weg selbst ist ein Erfolg. Seit meiner Kandidatur habe ich viele Menschen kennengelernt und ihre Sichtweisen aufgenommen. Authentisch bleiben, nah an den Bürgern sein, ist für mich bereits ein großer Triumph. Die Ergebnisse im Amt wären dann eine zusätzliche Bestätigung.

    CNC: Was wünschen Sie sich von den Bürgern?

    Matthias Büschges: Politik greifbar machen, aktiv auf Kommunalpolitik zugehen, Sorgen mitteilen. Nur gemeinsam kann die Stadt verändert werden. Die Bürger sollen verstehen, dass sie selbst Teil des Prozesses sind und ihre Ideen einbringen können.

    CNC: Welche Rolle spielen Jugendlich eda?

    Matthias Büschges: Jugendliche kennen ihre Lebenswirklichkeit am besten. Ihre Prioritäten, also saubere Schultoiletten und funktionierende Infrastruktur sollten im Fokus stehen. Mit Einbindung nn man viele Probleme lösen, weil sie oft Zusammenhänge schneller erfassen. Projekte, die nicht demokratiekonform arbeiten, sollten stattdessen Mittel für sinnvolle Initiativen erhalten, wie Klassenzimmer- oder Toilettensanierungen. So können wir langfristig die Lebensqualität der jungen Generati und sie aktiv in die Stadtentwicklung einbinden


    Ahmed und Tom von Cross News Cologne haben sich mit Matthias Büschges, Kandidat der AfD für das Amt des Oberbürgermeisters von Köln, getroffen. Ziel war es, Einblicke in seine politischen Schwerpunkte, seine Visionen für die Stadt und seine Pläne für verschiedene gesellschaftliche Gruppen zu erhalten. In einem ausführlichen Interview haben wir über Themen wie Familienpolitik, Verkehr, soziale Ungleichheit, Kultur und die Rolle der Jugendlichen gesprochen, um unseren Leserinnen und Lesern eine Orientierung bei der Oberbürgermeisterwahl zu bieten. Der folgende Artikel wurde zu Zwecken der Lesbarkeit gekürzt.

    Frage von CNC:

    Welche politischen Schwerpunkte setzen Sie als Oberbürgermeister in Köln um?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Für mich ist es sehr wichtig, dass ich kürzlich zum dritten Mal Vater geworden bin. Ich weiß also, was es für einen frischgebackenen Vater bedeutet, sich durch den Kölner Behördendschungel kämpfen zu müssen. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal von mir, das kein anderer Kandidat hat.

    Ich möchte einen behördenfreien Monat einführen. Für Eltern ist es neben dem Kennenlernen des Babys total anstrengend, die ganzen Behördengänge zu erledigen. Ich sage daher, dass Eltern einfach mal Zeit brauchen. Das Kind muss ankommen dürfen und vernünftig willkommen geheißen werden, nicht etwa durch das Steueramt oder eine Steuernummer, sondern von der Stadt.

    An diesem Punkt fehlt mir die Wertschätzung gegenüber den Eltern. Das ist ein Schwerpunkt, den ich habe. Zudem möchte ich die KVB (Kölner Verkehrs-Betriebe) verbessern, wie es sich jeder wünscht. Ich möchte, dass sie solide finanziert und sicherer ist, denn ich bin der Meinung, dass jeder selbst entscheiden können sollte, wie er sich von A nach B fortbewegen möchte. Auch das ist einer meiner Schwerpunkte: die Ideologie ein wenig herauszunehmen. Wenn ich sage, ich fahre mit dem Auto, müssen die Straßen in Ordnung sein. Im Regelfall muss der Verkehr ohne irgendwelche Verkehrsexperimente möglich sein. Wenn jemand sagt, er fährt mit der KVB, muss gewährleistet sein, dass er zu jeder Zeit von jedem Ort zu jedem anderen Ort gelangt. Das nächste klassische Thema ist die Sauberkeit.

    Hier habe ich einen anderen Ansatz. Wir sind uns alle einig, dass die Mülleimer öfter geleert werden müssen. Ja, das stimmt. Wir müssen es aber auch finanziell unattraktiver machen. Die finanziellen Mittel für die entsprechenden Truppen wurden gekürzt. Aber ich glaube, dass man auch viel mehr dahin kommen muss, den Kölnern wieder beizubringen, was für eine großartige Stadt Köln eigentlich ist.

    Köln hat eine riesige Geschichte – sie ist die älteste Demokratie auf deutschem Boden. Für mich ist es ein Amt voller Demut, Oberbürgermeister zu sein. Der Hänneschen-Theater-Saal – das ist Kölner Geschichte. Es ist eine großartige Stadt. Wenn man den Menschen das wieder nahebringt – egal ob sie gebürtige Kölner oder Zugereiste sind –, wenn man ihnen vermittelt, was für eine großartige Stadt diese eigentlich ist, fängt jeder an, selbst darüber nachzudenken, wie man sie sauber halten kann. Ich glaube, dieser Lokalpatriotismus muss wieder in die Köpfe der Kölner hinein. Und da muss man mit gutem Beispiel vorangehen.

    Frage von CNC:

    Und wie wollen Sie das umsetzen? Also in Zusammenarbeit mit anderen Parteien, zum Beispiel dem Stadtrat. Wie planen Sie die Kooperation mit anderen Parteien?

    Antwort von Matthias Büschges:

    In den letzten zehn Jahren hatten wir keinerlei Kooperationen. Wir hatten zwar schon immer mal hinter den Kulissen Gesprächsangebote von anderen Parteien, die zu uns kamen und sagten: “Guter Ansatz, aber gebt uns lieber den Antrag, damit er in der Sache gestellt werden kann.” Wir haben Anträge schon mündlich beantragt und gesagt, vielleicht möchte der jeweilige Antragsteller das übernehmen. Eine Möglichkeit im Rat sind ja mündliche Änderungsanträge. Das wurde nicht gemacht, obwohl die Anträge in der Sache immer sinnvoll waren. Das haben auch die anderen Parteien zugegeben. Wir müssen hier also ziemlich dicke Bretter bohren.

    Wir haben aber vor, selbstverständlich weiterhin Sachpolitik zu machen, die auf Köln ausgerichtet ist. Und wir hoffen dann auf die Gesprächsbereitschaft der anderen Fraktionen. Aber ich bin da eher pessimistisch.

    Frage von CNC:

    Sie haben eben schon gesagt, dass Köln eine Stadt ist, die sich ständig verändert und es immer wieder Baustellen gibt, die man verbessern könnte – zum Beispiel Verkehr, Wohnungen oder Digitalisierung. Wenn wir uns eines davon aussuchen könnten, wo sehen Sie die größte Dringlichkeit?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Oh, das ist wirklich sehr schwer. Ohne das eine geht es nicht. Ohne Verkehr geht es nicht. Wir haben eine eklatante Wohnungsnot, die wir angehen müssen. Wir müssen viel mehr bauen. Und ich erinnere mich an diesen “Passierschein A38”. Ich gehöre zu der Generation, die diese Hochhausläufe und Passierscheine kennt. Das ist die Kölner Verwaltung. Du brauchst hier einen Stempel, du brauchst dort eine Genehmigung. Wenn man das alles auf ein Minimum reduziert und Möglichkeiten schafft, kann schneller gebaut werden und es wird attraktiver für Investoren. Das ist aber genauso wichtig wie die Verkehrswende, weil jeder die Möglichkeit haben muss, sich fortzubewegen. Das ist ein Zweiklang, den wir nicht trennen können.

    Frage von CNC:

    Das waren jetzt die politischen Fragen. Jetzt kommen wir zu den gesellschaftlichen Fragen. Was möchten Sie konkret für Jugendliche, Studierende oder Familien verbessern?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ich habe ja schon gesagt, mir ist wichtig, dass wir einen Familienausschuss schaffen. Meine Frau ist Sizilianerin, und ich weiß, was es heißt, in einer Familie aufgenommen zu werden. Ich habe selbst fünf Geschwister. Und für uns war es immer schwierig: Wohin sollen die Jugendlichen? Welchen Raum schafft die Stadt für Jugendliche? Man kann natürlich Parks oder Einkaufsstraßen nehmen, aber damit sind Jugendliche nicht glücklich. Das ist ein verlorenes Thema. Dadurch verliert man diese Generationen an verschiedene Randgruppen. Sie wissen nicht genau, wo sie hingehören.

    Ich glaube, wir müssen diesen Gruppen viel mehr Raum geben, gerade Jugendlichen, aber auch Studenten. Wir haben ein riesiges Problem mit Einsamkeit. Wenn man das ein wenig aufbricht und Möglichkeiten schafft, wie zum Beispiel Begegnungscafés, die man ja selbst organisieren kann – es gibt bereits einige Projekte der Stadt –, wenn wir solche Möglichkeiten schaffen, dann ist diesen Generationen sehr geholfen.

    Und jungen Familien: Es gibt ja dieses “Kiwi”, das Kölner Willkommenspaket für frischgebackene Eltern. Ich glaube, wenn man das ein wenig ausweitet, mit einer kostenlosen Mitgliedschaft in einem Sportverein, zum Beispiel bei Kind-Eltern-Kind-Touren oder Ähnlichem, knüpft man sofort Kontakte und hat einen festen Termin. Das spielt in das Thema Einsamkeit mit hinein. Gerade junge Mütter, vor allem alleinerziehende mit einem Säugling, haben eine höhere Tendenz, eine Wochenbettdepression zu entwickeln. Das muss man auffangen. Es gibt viele, oder eigentlich viel zu wenige Projekte. Es gibt zwar Projekte, aber es wird zu wenig darüber gesprochen.

    Frage von CNC:

    Welche Maßnahmen planen Sie denn gegen soziale Ungleichheit in Köln?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Wir haben selbstverständlich eine soziale Ungleichheit. Wir müssen uns aber auch darauf konzentrieren, was vor allem Jugendliche mitbringen. Selbstverständlich sind viele Diskussionen total spannend, ob Schuluniform oder nicht. Aber auch über Kleidung, Stil und das Elternhaus wird sich schon sehr stark definiert. Deswegen bin ich zum Beispiel ein großer Freund von Schuluniformen. Es macht ja nicht nur gleich, sondern es nimmt vor allem auch den Druck heraus – den Druck in den Klassen, für sich selbst, für die Gruppe und die Dynamik.

    Nichtsdestotrotz werden diese sozialen Ungleichheiten auf kommunaler Ebene kaum zu beheben sein. Wir können es nur so attraktiv wie möglich machen und Kindern, Jugendlichen oder auch jungen Erwachsenen die Möglichkeit geben, sich zu engagieren und einen breiten Freundeskreis zu finden, um das ein wenig auszugleichen. Aber die großen Unterschiede zwischen Arm und Reich werden wir in Köln leider nicht lösen können.

    Frage von CNC:

    Und jetzt zu den persönlichen Fragen. Was hat Sie persönlich dazu motiviert, für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ich arbeite seit zehn Jahren für die AfD-Fraktion, seit 2019 als Fraktionsgeschäftsführer und sitze seit 2020 selbst im Stadtrat. Und ich habe gesehen, dass unter Henriette Reker die Missstände verweichlicht wurden. Wir haben viele Altlasten übernommen.

    Jeder Oberbürgermeister muss ein Projekt schaffen, das sein Leidenschaftsmerkmal ist. Das möchte ich aber nicht. Ich glaube, man macht sich damit unglaubwürdig, wenn man anfängt: „Ich möchte jetzt einen Eiffelturm hier in die Ecke stellen.“ Das ist utopisch. Aber es ist auch nicht wie die neue Oper, sondern wie eine Baustelle, die fertiggestellt wird. Deswegen müssen wir uns den Status quo ansehen, schauen, was sich lohnt, was wir umsetzen können, und daran arbeiten. Also erst einmal diese ganzen Prestigeobjekte fertigstellen, bevor ich sage, ich könnte etwas Eigenes schaffen. Aber das ist nur eines dieser vielen Themen.

    Mir geht es um Familien, um Sicherheit, um Kindergartenplätze. Es ist ein riesiges Sammelsurium an Themen, bei denen ich im Stadtrat gemerkt habe, dass sie nicht funktionieren. Irgendwie ist der politische Wille nicht da, um auch den letzten Dreh zu machen. Wir haben, und darüber gibt es eine Statistik der Stadt Köln, eine Unterversorgung an Kita-Plätzen zum Beispiel. Ich bin davon akut betroffen und habe dieses Thema eingebracht, aber der politische Wille ist nicht da. Und da sage ich, ich glaube, wir brauchen für das Amt des Oberbürgermeisters jemanden, der sowohl im Leben steht als auch ganz nah an den Problemen dran ist. Ich glaube, wenn wir uns um die jungen Familien, um Kinder und um Jugendliche kümmern, können wir ganz viel erreichen.

    Frage von CNC:

    Davon unterscheidet sich auch die Nähe zu den Problemen und dieser politische Wille von den anderen Kandidaten.

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ja, genau. Ich würde schon behaupten, dass ich einer der wenigen bin, der auch… ich habe mich gestern in Chorweiler auf eine Bank zu älteren Leuten gesetzt, die, ja, wie soll ich sagen, vertraulich gesprochen, eher nach Kölsch und Bauern klingen. Und die haben mich auch gefragt: “Was ist denn eure Verbindung zu der Stadt? Wir haben keine.” Und ich glaube, dass wir ganz viele Menschen in diese Beliebigkeit verloren haben, die sich denken: “Ach, es ist eigentlich egal, was vor meiner Tür passiert.” Und das in so einer großartigen Stadt wie Köln.

    Ich würde mir wünschen, das zu betonen. Wenn jeder seinen Müll wegräumt und ich mit gutem Beispiel vorangehen kann, dann ist das das größte Geschenk, das ich dieser Stadt machen kann – voller Demut. Ich glaube, das ist es. Voller Demut, das Amt zu leiten. Mir geht es auch gar nicht um Prestige oder einen Fahrdienst, das brauche ich alles nicht. Ich möchte wirklich Köln verändern. Und ich glaube, wenn ich mit gutem Beispiel vorangehe, kann ich ganz viele Menschen mitnehmen.

    Frage von CNC:

    Welche Werte haben Ihre politische Laufbahn besonders geprägt?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ja, diese Wertefragen sind besonders spannend. Ich bin selbst ein sehr, sehr loyaler Mensch. Für mich ist es wichtig, dass es Verbindlichkeit gibt und ich mich auf Menschen verlassen kann. Und ich habe immer das Gefühl gehabt, dass die etablierte Politik sich so ein bisschen verabschiedet hat. Ich lasse mich da auch gerne auf eine Diskussion ein, aber für mich hat sich die Politik, gerade in Köln, wie aus einem Elfenbeinturm entwickelt, der auf die Kölner herabschaut und sagt: „Ihr müsst das jetzt aber alles so machen, wie ich das will.“ Und ich glaube, so funktioniert Politik nicht.

    Ich glaube, man möchte einen greifbaren Politiker haben, den man anfassen kann, der auch mal durch die Einkaufsstraße geht. Und ich glaube, das fehlt. Das sind so die Werte für mich. Ich glaube, wir verlieren ganz viele Menschen, und das wird uns gerne nachgesagt, in die extrem rechte Ecke, aber vielleicht auch in die extrem linke Ecke, weil sie sagen: „Politik ist für mich nicht mehr greifbar.“ Ich weiß nicht, ob ihr die Kölner Abgeordneten im EU-Parlament kennt, oder noch mehr als mich aus dem Stadtrat. Und da sage ich, das ist eigentlich schade, weil das eure direkten Ansprechpartner sind, die direkt etwas für euch verändern können. Und deswegen: Ich habe in den letzten zwei Wochen Hunderte von Anfragen bekommen und ich beantworte jede Anfrage persönlich.

    Weil die Leute eben den OB-Kandidaten Matthias Büschges fragen und nicht das Team um Matthias Büschges. Und ich glaube, dass das dazugehört, wenn man ehrlich und authentisch sein möchte.

    Frage von CNC:

    Auf globaler Ebene, welche Verantwortung trägt Köln Ihrer Meinung nach in der globalen Klimakrise zum Beispiel?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ich glaube, dass wir als Kommune wegkommen müssen von dem Gedanken, dass wir sehr viel verändern können. Wenn wir aber eine Vorbildfunktion einnehmen und es ehrlich meinen, dann müsste auch eine ehrliche Verkehrsveränderung umgesetzt werden. Man müsste es nicht über Preise unattraktiv machen, Auto zu fahren, sondern man könnte die Taktung erhöhen und andere Gebiete anbinden. Wenn ich zum Beispiel aus Wesseling 20 Minuten mit dem Bus oder der Bahn in die Stadt brauche, dann fahre ich schon mit der Bahn. So muss man gar nicht an irgendwelchen Schrauben wie Benzinpreisen drehen, keine Verkehrsexperimente machen. Man kann es eben so attraktiv wie möglich machen, ohne Verbote. Und das geht.

    Deswegen glaube ich, wenn wir die Ideologie ein wenig aus dem Klimawandel herausnehmen, dass wir dann, wenn wir etwas nüchterner an die Sache herangehen, erkennen werden, dass wir als Deutschland sowieso Vorreiter sind und in Köln allein gar nichts verändern können. Und ich weiß nicht, ob ihr das zufällig wisst: Es gibt diese Norm aus Brüssel, die vorschreibt, zwölf Meter von den Hauptstraßen entfernt zu messen. Diese NOx-Messungen werden ja in der Innenstadt und auf dem Ring quasi direkt am Auspuff gemessen. Die EU-Verordnung erlaubt aber, die Messungen bis zu, ich glaube, 12 oder 20 Meter entfernt durchzuführen. Das heißt, es könnte auch locker in der Nebenstraße sein, aber da wären die Werte wahrscheinlich alle in Ordnung. Das bedeutet, man hat natürlich immer so eine Art ideologische Verpflichtung, auch möglichst problematische Werte zu schaffen, um dann zu sagen: “Jetzt müssen wir aber alle über eine autofreie Innenstadt nachdenken.” Ich glaube, eine autofreie Stadt funktioniert nicht, weil zu viele Menschen auf das Auto angewiesen sind. Unabhängig von Feuerwehren und Rettungskräften brauchen gerade auch Rentner und Handwerker das Auto.

    Die brauchen aber auch einen barrierefreien Zugang in die Innenstadt. Und Leute, die vielleicht einen Tiefgaragen-Stellplatz haben, weil sie das nötige Kleingeld dafür haben, sollen auch weiterhin Auto fahren, wenn sie das möchten. So funktioniert der Markt. Wenn man ein Konkurrenzprodukt schafft, das gut ist – und die KVB kann gut sein, wenn man sie lässt oder wenn man sie nicht kaputt spart oder andere Prioritäten setzt –, ist es durchaus möglich, auch alles attraktiver zu machen. Deswegen habe ich immer gesagt: Jeder soll sich so frei bewegen, wie er es möchte – mit dem Auto, dem Fahrrad, dem E-Roller, was auch immer. Wir müssen es nur ermöglichen. Und mehr soll die Stadt gar nicht tun.

    Frage von CNC:

    Viele Menschen hatten ja auch Probleme mit den Grünen, gerade weil sie viele Verbote, in Richtung Bundestag, mit einbeziehen wollen. Die Gesellschaft ist so einschränkend geworden, nur damit wir klimafreundlicher sind. Und das war das Problem für viele Menschen.

    Antwort von Matthias Büschges:

    Genau. Wir haben das Beispiel der Verkehrsregelung an der Trankgasse, direkt am Dom. Das ergibt doch gar keinen Sinn. Man muss außen herumfahren, über die Konrad-Adenauer-Straße, um dann diese paar hundert Meter wieder einzufahren. Wie möchte man das denn den Menschen erklären, die sagen: “Hey Leute, das ergibt doch gar keinen Sinn. Dann fahre ich lieber dadurch, als diese Umwege zu nehmen, wofür? Für das Klima?” Das kann man den Leuten nicht erzählen. Und das ist eben das große Glaubwürdigkeitsproblem der Grünen. Sie versuchen es nämlich dann damit zu argumentieren, dass wir es für das Klima brauchen. Das ist Unsinn. Und das verstehen die Leute langsam. Deswegen entzaubern sich die Grünen dadurch meiner Meinung nach selbst. Ich glaube nicht, dass es mit Verboten funktioniert, wenn man eine autofreie Innenstadt haben möchte, sondern man muss es attraktiv machen, andere Produkte zu nutzen. Und mehr ist dann auch nicht meine Aufgabe. Ich als Oberbürgermeister dürfte es niemals werten, wie ihr in die Innenstadt fahrt. Hauptsache, wenn ihr in die Innenstadt wollt, müsst ihr dort ankommen können.

    Frage von CNC:

    Wie kann und soll Köln überhaupt internationaler werden? Zum Beispiel im Bereich Kultur oder Austauschprogramme mit anderen Ländern?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Köln ist sowieso schon ein Alleinstellungsmerkmal. Köln ist die meistbesuchte Stadt der Welt. Der Rhein ist der meistbesuchte Fluss. Und diese Kombination gibt es nirgendwo anders auf der Welt. Ich glaube, dass dieses überfordernde Angebot an Museen sowieso kaum genutzt wird. Ich finde es eigentlich sogar ziemlich schade, dass wir eine so riesige Anzahl von Museen haben, die alle ihr eigenes Ding machen. Ich glaube, wenn man es auf wenige Museen beschränken würde, würde es viel mehr Leute anziehen. Zum Beispiel das Römisch-Germanische Museum, wo unten amerikanische Präsidenten gesessen haben. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Der Kölner Dom allein ist schon ein kulturelles Highlight. Auch das Wallraf-Richartz-Museum, das ist ja beeindruckende Kölner Geschichte.

    Köln ist bereits international, so international, dass man es kaum mehr sehen möchte. Wenn man im Ausland ist, sagen alle Bekannten aus dem Kölner Umland, dass sie aus Köln kommen, weil jeder auf der Welt etwas mit Köln anfangen kann. Und damit meine ich gar nicht die Diskussion um den “Armlängen-Abstand”, sondern wirklich Kultur: der Kölner Dom, der Karneval. Wir müssen uns nicht verstellen, um erfolgreich zu sein. Wir müssen ehrlich und authentisch bleiben. Und ich glaube, das kann der Kölner.

    Frage von CNC:

    Wenn wir uns ein wenig auf Ihre Ziele fokussieren, was möchten Sie in den ersten 100 Tagen im Amt umsetzen? Oder was planen Sie?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ich bin das schon oft gefragt worden. Das ist eine Frage, bei der jeder so eine Erwartungshaltung hat: Was kann oder was sollte der Oberbürgermeister umsetzen? Und ich werde Sie enttäuschen, wenn ich sage, mir geht es erst einmal darum, meine Verwaltung kennenzulernen. Mit wem arbeite ich zusammen? Wie sieht die Verwaltungsstruktur aus? Ich möchte die Leute kennenlernen, mit denen ich zusammenarbeite, bis hin zum untersten Rang.

    Und dann muss ich anfangen zu sondieren. Man weiß offiziell, was alles im Haushalt steht. Aber ich muss erst einmal sondieren, wofür die Stadt so viel Geld ausgibt. Ja, ich weiß, dass wahrscheinlich etwas mehr als 90 % des Haushalts fix sind. Aber diese 10 %, das sind die Stellschrauben, an denen wir ein wenig drehen können. Und da muss ich sagen, welche Projekte gibt es? Muss man die alle durchfinanzieren? Können wir sie auch auf den Prüfstand stellen? Ich bin zum Beispiel ein großer Freund der Demokratieklausel. Wenn man zum Beispiel ein Projekt für irgendeinen Demokratieförderer hat, dann muss man diese Demokratieklausel, also das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, unterschreiben. Gleiches gilt für die Anmietung von öffentlichen Räumen. Aber das sind Sachen, die muss ich natürlich erst einmal sondieren. Und ich glaube, ich würde die Kölner für dumm verkaufen, wenn ich sagen würde, die KVB sei danach saniert und der Neumarkt sauber. Das ist eine Illusion. Das hat Frau Reker in zehn Jahren nicht geschafft. Es wäre also wirklich utopisch, wenn ich sage, das ist das erste, was ich mache. Deswegen wird meine Arbeit in den ersten 100 Tagen vor allem viel schriftliche Arbeit sein und darin bestehen, meine Mitarbeiter kennenzulernen.

    Frage von CNC:

    Viele Bürger erwarten ja auch immer, dass etwas so schnell wie möglich geändert wird oder welcher Politiker am schnellsten etwas verändert hat. Dabei geht es eigentlich nur darum, wann etwas wirklich verändert wird, ob das jetzt oder in einem Jahr ist, und um die Qualität der Änderung.

    Antwort von Matthias Büschges:

    Für mich ist das eben auch eine Frage der eigenen Glaubwürdigkeit. Natürlich habe ich hochgesteckte Ziele. Wenn ich Ihnen erzähle, in 80 Jahren ist der Neumarkt sauber, dann zeigen Sie mir ein Foto davon. Ich habe ein Modell in der Schublade für den Neumarkt. Das werden wir auch nachher noch einmal auspacken, weil wir das dann im Stadtrat einbringen. Aber selbst das, die Infrastruktur fehlt vollkommen. Ich muss ja erst einmal dafür Werbung machen, Aufschriebe machen und so weiter. Es ist vollkommen illusorisch, Ihnen jetzt irgendetwas anderes zu verkaufen, außer: Ich muss erst einmal schauen, was ich da habe. Ich glaube, damit macht man sich ehrlich.

    Frage von CNC:

    Wo sehen Sie Köln in fünf Jahren, wenn Sie Oberbürgermeister werden? Auch so eine ähnliche Frage.

    Antwort von Matthias Büschges:

    Das ist schon mal eine bessere Frage, weil man dann ungefähr weiß, wie der Stand in Köln ist. Und ich glaube, dass am Ende jeder für sich selbst bewerten muss. Ich sehe in fünf Jahren eine saubere und sichere Innenstadt. Ich sehe keine vollen Mülleimer mehr. Ich sehe Spielplätze mit vielen Kindern. Ich sehe auch mehr Jugendzentren. Ich sehe eigentlich Köln in seiner Großartigkeit, wie es so oft besungen wird – „war das früher schöner in Köln“. Ich glaube, es reicht mir schon, wenn jeder ein bisschen merkt: “Ach, das ist aber schön hier” oder “Das haben sie schön gemacht.” Das merkt man allein schon, wenn man durch eine saubere KVB läuft und keine Angst haben muss, von dem Junkie nebenan passiv zu rauchen. Das ist alles schon passiert. Deswegen ist es ganz individuell. Aber wenn jeder für sich bewerten kann: “Ach, das hat er eigentlich gar nicht so schlecht gemacht”, ist das das größte Kompliment.

    Frage von CNC:

    Was wäre für Sie persönlich ein Erfolgsmoment, bei dem Sie sagen würden, da hat es sich gelohnt, als Oberbürgermeister zu kandidieren?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ich glaube, dass der Weg so ein bisschen das Ziel ist. Ich habe mich natürlich, vor allem am Anfang meiner Kandidatur, sehr darauf fokussiert zu sagen: “Ich möchte auf jeden Fall Oberbürgermeister werden” oder “Ich möchte in die Stichwahl kommen.” Mittlerweile sage ich, ich habe so viel über die Stadt und über die Menschen kennengelernt seit dem 17. Mai, seit meiner Bestätigung mit meiner Kandidatur, dass das schon das Ziel ist. Ich habe unglaublich viele tolle Leute kennengelernt, die alle auch ihre eigene Vision von Köln und ihre eigene Vorstellung haben. Ich glaube, das ist schon ein großer Triumphmoment für mich, weil ich dadurch zeigen konnte: Ich bleibe einfach ein bodenständiger Typ, der ich auch vorher war. Und ja, eigentlich habe ich meinen Erfolgsmoment schon. Das wird natürlich dann hoffentlich für eine gute Wahl gewürdigt, aber wir müssen uns da keine Illusionen machen, unter uns gesagt: Oberbürgermeister werde ich nicht. Aber wer weiß, es ist eine Runde Tüte.

    Frage von CNC:

    Ja, es ist alles möglich. Was wünschen Sie sich am meisten von den Bürgern in Köln, um gemeinsam Veränderungen zu erreichen? Auch falls Sie jetzt nicht Oberbürgermeister werden. Was wünschen Sie sich von den Bürgern?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Also, ich habe ja gesagt, es gibt Hunderte von Anfragen. Ich glaube, die Kölner müssen anfangen, die Politik für sich greifbar zu machen. Man wird die Politik nicht zu den Menschen hinbewegen können, sondern die Menschen sollen noch aktiver auf die Politik zugehen. Sie sollen ihre Nöte und Sorgen mitteilen, und zwar ruhig auch der Kommunalpolitik. Denn so weit sind wir gar nicht entfernt. Ich bin auch ein ganz normaler Typ, der zu Hause mit Wasser kocht. Und ich hatte einen ganz interessanten Mailverkehr mit einem Biologie-Studenten. Es ging um die Katzen am Großmarkt. Ich sagte ihm, weil Sie das ja kennen, dort wird abgerissen. Er sagte, das sei total schade. Und er fragte, was ich denn als Oberbürgermeister machen würde. Ich habe ihm ganz ausführlich geantwortet. Er sagte: “So ein Zufall, mir hat keiner von den anderen OB-Kandidaten geantwortet.” Das wollte er mir noch mal rückmelden. Und ich habe ihm dann gesagt: “Lassen Sie uns doch in Kontakt bleiben. Sie haben eine Idee von Köln, Sie haben eine Idee von diesem Großmarkt. Und ich kann nur davon lernen.” Ich bin ja nicht allwissend und habe kein Allheilmittel. Ich kann nur von den Menschen lernen, die sich damit auskennen. Und ich glaube, das war für ihn ein total überraschender Moment, weil er gesagt hat: “Damit habe ich nicht gerechnet, dass diese Art von Antwort kommt.” Man kriegt von der Politik oft Phrasen, mit denen man im ersten Moment zufrieden ist, weil man denkt: “Das hört sich aber super an, was der da sagt.” Aber im Endeffekt ist das eigentlich auch nur heiße Luft. Deswegen ist für mich wichtig, auch in den nächsten fünf Jahren, sollte ich nicht Oberbürgermeister werden, dass die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten immer noch zu mir kommen können und müssen. Denn nur gemeinsam können wir diese Stadt verändern. Das wird ja nicht von oben diktiert, sondern ganz im Gegenteil, das ist eine gemeinschaftliche Arbeit. Und ich bin ja auch immer noch Bürger dieser Stadt. Zwar der erste Bürger, aber immer noch Bürger. Ich hoffe, dass, wenn man den Kontakt miteinander hält, das auch in Köln eine ziemlich tolle Sache werden kann.

    Frage von CNC:

    Welche Rolle spielen dabei Jugendliche?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Kinder und Jugendliche sind gerade diejenigen, denen man am meisten zuhören müsste. Denn ihr seid nah an eurer Lebenswirklichkeit. Ihr habt die Infrastruktur Schule, ihr habt die Infrastruktur, um hierherzufahren. Ich weiß nicht, ob man hier gut auf die Toilette gehen kann. Ich müsste mich damit gleich mal beschäftigen. Aber das sind Dinge, die kann zum Beispiel die Kommunalpolitik viel eher lösen. Und wenn ich die Schüler direkt frage: “Was wäre euch wichtiger? Eine Städtepartnerschaft mit irgendeiner Stadt in, keine Ahnung, Kanada, oder saubere Schultoiletten?”

    Antwort von CNC:

    Dass unsere Schultoiletten sauber sind.

    Antwort von Matthias Büschges:

    Das ist zum Beispiel Politik zum Anfassen. Wir müssen anfangen, Prioritäten zu setzen, aber auch den Menschen zuzuhören, die nah an diesen Problemen dran sind. Also in dem Fall euch. Ich finde es ein Unding, dass die Schultoiletten – alle, auf denen ich bisher war – in einem miserablen Zustand sind. Wir haben in Pulheim zum Beispiel, oder war es in Wesseling, ich weiß nicht mehr genau, wurden die Eltern aufgefordert, die Schultoiletten mit zu sanieren. Ganz ehrlich, wir haben so viele Steuereinnahmen. Dafür muss doch Geld übrig sein. Deswegen glaube ich, wenn man sich viel mehr auf sich selbst konzentriert und dabei vor allem den Blick auf Kinder und Jugendliche richtet, die eben nah an diesen Problemen dran sind, ihnen zuhört und sie mit einbindet, dass wir dann ganz viele Probleme lösen können.

    Das kann doch nicht zufriedenstellend sein. Es ist weder für Schüler zufriedenstellend, weil sie in eine sanierungsbedürftige Schule kommen und aus dieser sanierungsbedürftigen Schule auch wieder gehen. Die Politik versagt also in so vielen Dingen, und auch das ist ein riesiger Ansporn, den Kontakt zu den Menschen zu halten. Dann gehören natürlich Kinder, Jugendliche und Studenten dazu. Ihnen muss man aber aktiv zuhören. Deswegen sage ich: Schreibt mir einen Wunschzettel, den nehme ich mit. Natürlich muss ich das dann mit allen anderen Schülern auch machen. Aber wenn man radikal den Rotstift ansetzt, zum Beispiel bei Projekten, die niemals eine Demokratieklausel unterschreiben würden – die gibt es ja auch –, dann streicht man diesen die Mittel. Und dann ist auf einmal ein Klassenzimmer restauriert oder Toiletten oder eine Aula. Denn ich finde es ist ein Unding, dass wir das von Eltern abverlangen, die sowieso schon so viele Steuern zahlen. Und von Kindern und Jugendlichen, die sowieso schon mit dieser Realität konfrontiert sind, was der Staat eigentlich nicht für sie tut. Wieso soll man denn dazu motiviert werden, Steuern zu zahlen? Weil es die Eltern gemacht haben? Und da sind Kinder und Jugendliche sowieso viel weiter als Erwachsene, weil sie die Zusammenhänge auch eher hinkriegen. Globalisierung findet ja vor allem übers Handy statt. Dafür braucht man keine Zwangsfusion mit einer anderen Kommune, sondern man kann das Geld eher einsparen.

    Ahmed und Tom von Cross News Cologne haben sich mit Matthias Büschges, Kandidat der AfD für das Amt des Oberbürgermeisters von Köln, getroffen. Ziel war es, Einblicke in seine politischen Schwerpunkte, seine Visionen für die Stadt und seine Pläne für verschiedene gesellschaftliche Gruppen zu erhalten. In einem ausführlichen Interview haben wir über Themen wie Familienpolitik, Verkehr, soziale Ungleichheit, Kultur und die Rolle der Jugendlichen gesprochen, um unseren Leserinnen und Lesern eine Orientierung bei der Oberbürgermeisterwahl zu bieten. Der folgende Artikel wurde zu Zwecken der Lesbarkeit gekürzt.

    Frage von CNC:

    Welche politischen Schwerpunkte setzen Sie als Oberbürgermeister in Köln um?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Für mich ist es sehr wichtig, dass ich kürzlich zum dritten Mal Vater geworden bin. Ich weiß also, was es für einen frischgebackenen Vater bedeutet, sich durch den Kölner Behördendschungel kämpfen zu müssen. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal von mir, das kein anderer Kandidat hat.

    Ich möchte einen behördenfreien Monat einführen. Für Eltern ist es neben dem Kennenlernen des Babys total anstrengend, die ganzen Behördengänge zu erledigen. Ich sage daher, dass Eltern einfach mal Zeit brauchen. Das Kind muss ankommen dürfen und vernünftig willkommen geheißen werden, nicht etwa durch das Steueramt oder eine Steuernummer, sondern von der Stadt.

    An diesem Punkt fehlt mir die Wertschätzung gegenüber den Eltern. Das ist ein Schwerpunkt, den ich habe. Zudem möchte ich die KVB (Kölner Verkehrs-Betriebe) verbessern, wie es sich jeder wünscht. Ich möchte, dass sie solide finanziert und sicherer ist, denn ich bin der Meinung, dass jeder selbst entscheiden können sollte, wie er sich von A nach B fortbewegen möchte. Auch das ist einer meiner Schwerpunkte: die Ideologie ein wenig herauszunehmen. Wenn ich sage, ich fahre mit dem Auto, müssen die Straßen in Ordnung sein. Im Regelfall muss der Verkehr ohne irgendwelche Verkehrsexperimente möglich sein. Wenn jemand sagt, er fährt mit der KVB, muss gewährleistet sein, dass er zu jeder Zeit von jedem Ort zu jedem anderen Ort gelangt. Das nächste klassische Thema ist die Sauberkeit.

    Hier habe ich einen anderen Ansatz. Wir sind uns alle einig, dass die Mülleimer öfter geleert werden müssen. Ja, das stimmt. Wir müssen es aber auch finanziell unattraktiver machen. Die finanziellen Mittel für die entsprechenden Truppen wurden gekürzt. Aber ich glaube, dass man auch viel mehr dahin kommen muss, den Kölnern wieder beizubringen, was für eine großartige Stadt Köln eigentlich ist.

    Köln hat eine riesige Geschichte – sie ist die älteste Demokratie auf deutschem Boden. Für mich ist es ein Amt voller Demut, Oberbürgermeister zu sein. Der Hänneschen-Theater-Saal – das ist Kölner Geschichte. Es ist eine großartige Stadt. Wenn man den Menschen das wieder nahebringt – egal ob sie gebürtige Kölner oder Zugereiste sind –, wenn man ihnen vermittelt, was für eine großartige Stadt diese eigentlich ist, fängt jeder an, selbst darüber nachzudenken, wie man sie sauber halten kann. Ich glaube, dieser Lokalpatriotismus muss wieder in die Köpfe der Kölner hinein. Und da muss man mit gutem Beispiel vorangehen.

    Frage von CNC:

    Und wie wollen Sie das umsetzen? Also in Zusammenarbeit mit anderen Parteien, zum Beispiel dem Stadtrat. Wie planen Sie die Kooperation mit anderen Parteien?

    Antwort von Matthias Büschges:

    In den letzten zehn Jahren hatten wir keinerlei Kooperationen. Wir hatten zwar schon immer mal hinter den Kulissen Gesprächsangebote von anderen Parteien, die zu uns kamen und sagten: “Guter Ansatz, aber gebt uns lieber den Antrag, damit er in der Sache gestellt werden kann.” Wir haben Anträge schon mündlich beantragt und gesagt, vielleicht möchte der jeweilige Antragsteller das übernehmen. Eine Möglichkeit im Rat sind ja mündliche Änderungsanträge. Das wurde nicht gemacht, obwohl die Anträge in der Sache immer sinnvoll waren. Das haben auch die anderen Parteien zugegeben. Wir müssen hier also ziemlich dicke Bretter bohren.

    Wir haben aber vor, selbstverständlich weiterhin Sachpolitik zu machen, die auf Köln ausgerichtet ist. Und wir hoffen dann auf die Gesprächsbereitschaft der anderen Fraktionen. Aber ich bin da eher pessimistisch.

    Frage von CNC:

    Sie haben eben schon gesagt, dass Köln eine Stadt ist, die sich ständig verändert und es immer wieder Baustellen gibt, die man verbessern könnte – zum Beispiel Verkehr, Wohnungen oder Digitalisierung. Wenn wir uns eines davon aussuchen könnten, wo sehen Sie die größte Dringlichkeit?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Oh, das ist wirklich sehr schwer. Ohne das eine geht es nicht. Ohne Verkehr geht es nicht. Wir haben eine eklatante Wohnungsnot, die wir angehen müssen. Wir müssen viel mehr bauen. Und ich erinnere mich an diesen “Passierschein A38”. Ich gehöre zu der Generation, die diese Hochhausläufe und Passierscheine kennt. Das ist die Kölner Verwaltung. Du brauchst hier einen Stempel, du brauchst dort eine Genehmigung. Wenn man das alles auf ein Minimum reduziert und Möglichkeiten schafft, kann schneller gebaut werden und es wird attraktiver für Investoren. Das ist aber genauso wichtig wie die Verkehrswende, weil jeder die Möglichkeit haben muss, sich fortzubewegen. Das ist ein Zweiklang, den wir nicht trennen können.

    Frage von CNC:

    Das waren jetzt die politischen Fragen. Jetzt kommen wir zu den gesellschaftlichen Fragen. Was möchten Sie konkret für Jugendliche, Studierende oder Familien verbessern?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ich habe ja schon gesagt, mir ist wichtig, dass wir einen Familienausschuss schaffen. Meine Frau ist Sizilianerin, und ich weiß, was es heißt, in einer Familie aufgenommen zu werden. Ich habe selbst fünf Geschwister. Und für uns war es immer schwierig: Wohin sollen die Jugendlichen? Welchen Raum schafft die Stadt für Jugendliche? Man kann natürlich Parks oder Einkaufsstraßen nehmen, aber damit sind Jugendliche nicht glücklich. Das ist ein verlorenes Thema. Dadurch verliert man diese Generationen an verschiedene Randgruppen. Sie wissen nicht genau, wo sie hingehören.

    Ich glaube, wir müssen diesen Gruppen viel mehr Raum geben, gerade Jugendlichen, aber auch Studenten. Wir haben ein riesiges Problem mit Einsamkeit. Wenn man das ein wenig aufbricht und Möglichkeiten schafft, wie zum Beispiel Begegnungscafés, die man ja selbst organisieren kann – es gibt bereits einige Projekte der Stadt –, wenn wir solche Möglichkeiten schaffen, dann ist diesen Generationen sehr geholfen.

    Und jungen Familien: Es gibt ja dieses “Kiwi”, das Kölner Willkommenspaket für frischgebackene Eltern. Ich glaube, wenn man das ein wenig ausweitet, mit einer kostenlosen Mitgliedschaft in einem Sportverein, zum Beispiel bei Kind-Eltern-Kind-Touren oder Ähnlichem, knüpft man sofort Kontakte und hat einen festen Termin. Das spielt in das Thema Einsamkeit mit hinein. Gerade junge Mütter, vor allem alleinerziehende mit einem Säugling, haben eine höhere Tendenz, eine Wochenbettdepression zu entwickeln. Das muss man auffangen. Es gibt viele, oder eigentlich viel zu wenige Projekte. Es gibt zwar Projekte, aber es wird zu wenig darüber gesprochen.

    Frage von CNC:

    Welche Maßnahmen planen Sie denn gegen soziale Ungleichheit in Köln?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Wir haben selbstverständlich eine soziale Ungleichheit. Wir müssen uns aber auch darauf konzentrieren, was vor allem Jugendliche mitbringen. Selbstverständlich sind viele Diskussionen total spannend, ob Schuluniform oder nicht. Aber auch über Kleidung, Stil und das Elternhaus wird sich schon sehr stark definiert. Deswegen bin ich zum Beispiel ein großer Freund von Schuluniformen. Es macht ja nicht nur gleich, sondern es nimmt vor allem auch den Druck heraus – den Druck in den Klassen, für sich selbst, für die Gruppe und die Dynamik.

    Nichtsdestotrotz werden diese sozialen Ungleichheiten auf kommunaler Ebene kaum zu beheben sein. Wir können es nur so attraktiv wie möglich machen und Kindern, Jugendlichen oder auch jungen Erwachsenen die Möglichkeit geben, sich zu engagieren und einen breiten Freundeskreis zu finden, um das ein wenig auszugleichen. Aber die großen Unterschiede zwischen Arm und Reich werden wir in Köln leider nicht lösen können.

    Frage von CNC:

    Und jetzt zu den persönlichen Fragen. Was hat Sie persönlich dazu motiviert, für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ich arbeite seit zehn Jahren für die AfD-Fraktion, seit 2019 als Fraktionsgeschäftsführer und sitze seit 2020 selbst im Stadtrat. Und ich habe gesehen, dass unter Henriette Reker die Missstände verweichlicht wurden. Wir haben viele Altlasten übernommen.

    Jeder Oberbürgermeister muss ein Projekt schaffen, das sein Leidenschaftsmerkmal ist. Das möchte ich aber nicht. Ich glaube, man macht sich damit unglaubwürdig, wenn man anfängt: „Ich möchte jetzt einen Eiffelturm hier in die Ecke stellen.“ Das ist utopisch. Aber es ist auch nicht wie die neue Oper, sondern wie eine Baustelle, die fertiggestellt wird. Deswegen müssen wir uns den Status quo ansehen, schauen, was sich lohnt, was wir umsetzen können, und daran arbeiten. Also erst einmal diese ganzen Prestigeobjekte fertigstellen, bevor ich sage, ich könnte etwas Eigenes schaffen. Aber das ist nur eines dieser vielen Themen.

    Mir geht es um Familien, um Sicherheit, um Kindergartenplätze. Es ist ein riesiges Sammelsurium an Themen, bei denen ich im Stadtrat gemerkt habe, dass sie nicht funktionieren. Irgendwie ist der politische Wille nicht da, um auch den letzten Dreh zu machen. Wir haben, und darüber gibt es eine Statistik der Stadt Köln, eine Unterversorgung an Kita-Plätzen zum Beispiel. Ich bin davon akut betroffen und habe dieses Thema eingebracht, aber der politische Wille ist nicht da. Und da sage ich, ich glaube, wir brauchen für das Amt des Oberbürgermeisters jemanden, der sowohl im Leben steht als auch ganz nah an den Problemen dran ist. Ich glaube, wenn wir uns um die jungen Familien, um Kinder und um Jugendliche kümmern, können wir ganz viel erreichen.

    Frage von CNC:

    Davon unterscheidet sich auch die Nähe zu den Problemen und dieser politische Wille von den anderen Kandidaten.

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ja, genau. Ich würde schon behaupten, dass ich einer der wenigen bin, der auch… ich habe mich gestern in Chorweiler auf eine Bank zu älteren Leuten gesetzt, die, ja, wie soll ich sagen, vertraulich gesprochen, eher nach Kölsch und Bauern klingen. Und die haben mich auch gefragt: “Was ist denn eure Verbindung zu der Stadt? Wir haben keine.” Und ich glaube, dass wir ganz viele Menschen in diese Beliebigkeit verloren haben, die sich denken: “Ach, es ist eigentlich egal, was vor meiner Tür passiert.” Und das in so einer großartigen Stadt wie Köln.

    Ich würde mir wünschen, das zu betonen. Wenn jeder seinen Müll wegräumt und ich mit gutem Beispiel vorangehen kann, dann ist das das größte Geschenk, das ich dieser Stadt machen kann – voller Demut. Ich glaube, das ist es. Voller Demut, das Amt zu leiten. Mir geht es auch gar nicht um Prestige oder einen Fahrdienst, das brauche ich alles nicht. Ich möchte wirklich Köln verändern. Und ich glaube, wenn ich mit gutem Beispiel vorangehe, kann ich ganz viele Menschen mitnehmen.

    Frage von CNC:

    Welche Werte haben Ihre politische Laufbahn besonders geprägt?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ja, diese Wertefragen sind besonders spannend. Ich bin selbst ein sehr, sehr loyaler Mensch. Für mich ist es wichtig, dass es Verbindlichkeit gibt und ich mich auf Menschen verlassen kann. Und ich habe immer das Gefühl gehabt, dass die etablierte Politik sich so ein bisschen verabschiedet hat. Ich lasse mich da auch gerne auf eine Diskussion ein, aber für mich hat sich die Politik, gerade in Köln, wie aus einem Elfenbeinturm entwickelt, der auf die Kölner herabschaut und sagt: „Ihr müsst das jetzt aber alles so machen, wie ich das will.“ Und ich glaube, so funktioniert Politik nicht.

    Ich glaube, man möchte einen greifbaren Politiker haben, den man anfassen kann, der auch mal durch die Einkaufsstraße geht. Und ich glaube, das fehlt. Das sind so die Werte für mich. Ich glaube, wir verlieren ganz viele Menschen, und das wird uns gerne nachgesagt, in die extrem rechte Ecke, aber vielleicht auch in die extrem linke Ecke, weil sie sagen: „Politik ist für mich nicht mehr greifbar.“ Ich weiß nicht, ob ihr die Kölner Abgeordneten im EU-Parlament kennt, oder noch mehr als mich aus dem Stadtrat. Und da sage ich, das ist eigentlich schade, weil das eure direkten Ansprechpartner sind, die direkt etwas für euch verändern können. Und deswegen: Ich habe in den letzten zwei Wochen Hunderte von Anfragen bekommen und ich beantworte jede Anfrage persönlich.

    Weil die Leute eben den OB-Kandidaten Matthias Büschges fragen und nicht das Team um Matthias Büschges. Und ich glaube, dass das dazugehört, wenn man ehrlich und authentisch sein möchte.

    Frage von CNC:

    Auf globaler Ebene, welche Verantwortung trägt Köln Ihrer Meinung nach in der globalen Klimakrise zum Beispiel?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ich glaube, dass wir als Kommune wegkommen müssen von dem Gedanken, dass wir sehr viel verändern können. Wenn wir aber eine Vorbildfunktion einnehmen und es ehrlich meinen, dann müsste auch eine ehrliche Verkehrsveränderung umgesetzt werden. Man müsste es nicht über Preise unattraktiv machen, Auto zu fahren, sondern man könnte die Taktung erhöhen und andere Gebiete anbinden. Wenn ich zum Beispiel aus Wesseling 20 Minuten mit dem Bus oder der Bahn in die Stadt brauche, dann fahre ich schon mit der Bahn. So muss man gar nicht an irgendwelchen Schrauben wie Benzinpreisen drehen, keine Verkehrsexperimente machen. Man kann es eben so attraktiv wie möglich machen, ohne Verbote. Und das geht.

    Deswegen glaube ich, wenn wir die Ideologie ein wenig aus dem Klimawandel herausnehmen, dass wir dann, wenn wir etwas nüchterner an die Sache herangehen, erkennen werden, dass wir als Deutschland sowieso Vorreiter sind und in Köln allein gar nichts verändern können. Und ich weiß nicht, ob ihr das zufällig wisst: Es gibt diese Norm aus Brüssel, die vorschreibt, zwölf Meter von den Hauptstraßen entfernt zu messen. Diese NOx-Messungen werden ja in der Innenstadt und auf dem Ring quasi direkt am Auspuff gemessen. Die EU-Verordnung erlaubt aber, die Messungen bis zu, ich glaube, 12 oder 20 Meter entfernt durchzuführen. Das heißt, es könnte auch locker in der Nebenstraße sein, aber da wären die Werte wahrscheinlich alle in Ordnung. Das bedeutet, man hat natürlich immer so eine Art ideologische Verpflichtung, auch möglichst problematische Werte zu schaffen, um dann zu sagen: “Jetzt müssen wir aber alle über eine autofreie Innenstadt nachdenken.” Ich glaube, eine autofreie Stadt funktioniert nicht, weil zu viele Menschen auf das Auto angewiesen sind. Unabhängig von Feuerwehren und Rettungskräften brauchen gerade auch Rentner und Handwerker das Auto.

    Die brauchen aber auch einen barrierefreien Zugang in die Innenstadt. Und Leute, die vielleicht einen Tiefgaragen-Stellplatz haben, weil sie das nötige Kleingeld dafür haben, sollen auch weiterhin Auto fahren, wenn sie das möchten. So funktioniert der Markt. Wenn man ein Konkurrenzprodukt schafft, das gut ist – und die KVB kann gut sein, wenn man sie lässt oder wenn man sie nicht kaputt spart oder andere Prioritäten setzt –, ist es durchaus möglich, auch alles attraktiver zu machen. Deswegen habe ich immer gesagt: Jeder soll sich so frei bewegen, wie er es möchte – mit dem Auto, dem Fahrrad, dem E-Roller, was auch immer. Wir müssen es nur ermöglichen. Und mehr soll die Stadt gar nicht tun.

    Frage von CNC:

    Viele Menschen hatten ja auch Probleme mit den Grünen, gerade weil sie viele Verbote, in Richtung Bundestag, mit einbeziehen wollen. Die Gesellschaft ist so einschränkend geworden, nur damit wir klimafreundlicher sind. Und das war das Problem für viele Menschen.

    Antwort von Matthias Büschges:

    Genau. Wir haben das Beispiel der Verkehrsregelung an der Trankgasse, direkt am Dom. Das ergibt doch gar keinen Sinn. Man muss außen herumfahren, über die Konrad-Adenauer-Straße, um dann diese paar hundert Meter wieder einzufahren. Wie möchte man das denn den Menschen erklären, die sagen: “Hey Leute, das ergibt doch gar keinen Sinn. Dann fahre ich lieber dadurch, als diese Umwege zu nehmen, wofür? Für das Klima?” Das kann man den Leuten nicht erzählen. Und das ist eben das große Glaubwürdigkeitsproblem der Grünen. Sie versuchen es nämlich dann damit zu argumentieren, dass wir es für das Klima brauchen. Das ist Unsinn. Und das verstehen die Leute langsam. Deswegen entzaubern sich die Grünen dadurch meiner Meinung nach selbst. Ich glaube nicht, dass es mit Verboten funktioniert, wenn man eine autofreie Innenstadt haben möchte, sondern man muss es attraktiv machen, andere Produkte zu nutzen. Und mehr ist dann auch nicht meine Aufgabe. Ich als Oberbürgermeister dürfte es niemals werten, wie ihr in die Innenstadt fahrt. Hauptsache, wenn ihr in die Innenstadt wollt, müsst ihr dort ankommen können.

    Frage von CNC:

    Wie kann und soll Köln überhaupt internationaler werden? Zum Beispiel im Bereich Kultur oder Austauschprogramme mit anderen Ländern?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Köln ist sowieso schon ein Alleinstellungsmerkmal. Köln ist die meistbesuchte Stadt der Welt. Der Rhein ist der meistbesuchte Fluss. Und diese Kombination gibt es nirgendwo anders auf der Welt. Ich glaube, dass dieses überfordernde Angebot an Museen sowieso kaum genutzt wird. Ich finde es eigentlich sogar ziemlich schade, dass wir eine so riesige Anzahl von Museen haben, die alle ihr eigenes Ding machen. Ich glaube, wenn man es auf wenige Museen beschränken würde, würde es viel mehr Leute anziehen. Zum Beispiel das Römisch-Germanische Museum, wo unten amerikanische Präsidenten gesessen haben. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Der Kölner Dom allein ist schon ein kulturelles Highlight. Auch das Wallraf-Richartz-Museum, das ist ja beeindruckende Kölner Geschichte.

    Köln ist bereits international, so international, dass man es kaum mehr sehen möchte. Wenn man im Ausland ist, sagen alle Bekannten aus dem Kölner Umland, dass sie aus Köln kommen, weil jeder auf der Welt etwas mit Köln anfangen kann. Und damit meine ich gar nicht die Diskussion um den “Armlängen-Abstand”, sondern wirklich Kultur: der Kölner Dom, der Karneval. Wir müssen uns nicht verstellen, um erfolgreich zu sein. Wir müssen ehrlich und authentisch bleiben. Und ich glaube, das kann der Kölner.

    Frage von CNC:

    Wenn wir uns ein wenig auf Ihre Ziele fokussieren, was möchten Sie in den ersten 100 Tagen im Amt umsetzen? Oder was planen Sie?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ich bin das schon oft gefragt worden. Das ist eine Frage, bei der jeder so eine Erwartungshaltung hat: Was kann oder was sollte der Oberbürgermeister umsetzen? Und ich werde Sie enttäuschen, wenn ich sage, mir geht es erst einmal darum, meine Verwaltung kennenzulernen. Mit wem arbeite ich zusammen? Wie sieht die Verwaltungsstruktur aus? Ich möchte die Leute kennenlernen, mit denen ich zusammenarbeite, bis hin zum untersten Rang.

    Und dann muss ich anfangen zu sondieren. Man weiß offiziell, was alles im Haushalt steht. Aber ich muss erst einmal sondieren, wofür die Stadt so viel Geld ausgibt. Ja, ich weiß, dass wahrscheinlich etwas mehr als 90 % des Haushalts fix sind. Aber diese 10 %, das sind die Stellschrauben, an denen wir ein wenig drehen können. Und da muss ich sagen, welche Projekte gibt es? Muss man die alle durchfinanzieren? Können wir sie auch auf den Prüfstand stellen? Ich bin zum Beispiel ein großer Freund der Demokratieklausel. Wenn man zum Beispiel ein Projekt für irgendeinen Demokratieförderer hat, dann muss man diese Demokratieklausel, also das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, unterschreiben. Gleiches gilt für die Anmietung von öffentlichen Räumen. Aber das sind Sachen, die muss ich natürlich erst einmal sondieren. Und ich glaube, ich würde die Kölner für dumm verkaufen, wenn ich sagen würde, die KVB sei danach saniert und der Neumarkt sauber. Das ist eine Illusion. Das hat Frau Reker in zehn Jahren nicht geschafft. Es wäre also wirklich utopisch, wenn ich sage, das ist das erste, was ich mache. Deswegen wird meine Arbeit in den ersten 100 Tagen vor allem viel schriftliche Arbeit sein und darin bestehen, meine Mitarbeiter kennenzulernen.

    Frage von CNC:

    Viele Bürger erwarten ja auch immer, dass etwas so schnell wie möglich geändert wird oder welcher Politiker am schnellsten etwas verändert hat. Dabei geht es eigentlich nur darum, wann etwas wirklich verändert wird, ob das jetzt oder in einem Jahr ist, und um die Qualität der Änderung.

    Antwort von Matthias Büschges:

    Für mich ist das eben auch eine Frage der eigenen Glaubwürdigkeit. Natürlich habe ich hochgesteckte Ziele. Wenn ich Ihnen erzähle, in 80 Jahren ist der Neumarkt sauber, dann zeigen Sie mir ein Foto davon. Ich habe ein Modell in der Schublade für den Neumarkt. Das werden wir auch nachher noch einmal auspacken, weil wir das dann im Stadtrat einbringen. Aber selbst das, die Infrastruktur fehlt vollkommen. Ich muss ja erst einmal dafür Werbung machen, Aufschriebe machen und so weiter. Es ist vollkommen illusorisch, Ihnen jetzt irgendetwas anderes zu verkaufen, außer: Ich muss erst einmal schauen, was ich da habe. Ich glaube, damit macht man sich ehrlich.

    Frage von CNC:

    Wo sehen Sie Köln in fünf Jahren, wenn Sie Oberbürgermeister werden? Auch so eine ähnliche Frage.

    Antwort von Matthias Büschges:

    Das ist schon mal eine bessere Frage, weil man dann ungefähr weiß, wie der Stand in Köln ist. Und ich glaube, dass am Ende jeder für sich selbst bewerten muss. Ich sehe in fünf Jahren eine saubere und sichere Innenstadt. Ich sehe keine vollen Mülleimer mehr. Ich sehe Spielplätze mit vielen Kindern. Ich sehe auch mehr Jugendzentren. Ich sehe eigentlich Köln in seiner Großartigkeit, wie es so oft besungen wird – „war das früher schöner in Köln“. Ich glaube, es reicht mir schon, wenn jeder ein bisschen merkt: “Ach, das ist aber schön hier” oder “Das haben sie schön gemacht.” Das merkt man allein schon, wenn man durch eine saubere KVB läuft und keine Angst haben muss, von dem Junkie nebenan passiv zu rauchen. Das ist alles schon passiert. Deswegen ist es ganz individuell. Aber wenn jeder für sich bewerten kann: “Ach, das hat er eigentlich gar nicht so schlecht gemacht”, ist das das größte Kompliment.

    Frage von CNC:

    Was wäre für Sie persönlich ein Erfolgsmoment, bei dem Sie sagen würden, da hat es sich gelohnt, als Oberbürgermeister zu kandidieren?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Ich glaube, dass der Weg so ein bisschen das Ziel ist. Ich habe mich natürlich, vor allem am Anfang meiner Kandidatur, sehr darauf fokussiert zu sagen: “Ich möchte auf jeden Fall Oberbürgermeister werden” oder “Ich möchte in die Stichwahl kommen.” Mittlerweile sage ich, ich habe so viel über die Stadt und über die Menschen kennengelernt seit dem 17. Mai, seit meiner Bestätigung mit meiner Kandidatur, dass das schon das Ziel ist. Ich habe unglaublich viele tolle Leute kennengelernt, die alle auch ihre eigene Vision von Köln und ihre eigene Vorstellung haben. Ich glaube, das ist schon ein großer Triumphmoment für mich, weil ich dadurch zeigen konnte: Ich bleibe einfach ein bodenständiger Typ, der ich auch vorher war. Und ja, eigentlich habe ich meinen Erfolgsmoment schon. Das wird natürlich dann hoffentlich für eine gute Wahl gewürdigt, aber wir müssen uns da keine Illusionen machen, unter uns gesagt: Oberbürgermeister werde ich nicht. Aber wer weiß, es ist eine Runde Tüte.

    Frage von CNC:

    Ja, es ist alles möglich. Was wünschen Sie sich am meisten von den Bürgern in Köln, um gemeinsam Veränderungen zu erreichen? Auch falls Sie jetzt nicht Oberbürgermeister werden. Was wünschen Sie sich von den Bürgern?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Also, ich habe ja gesagt, es gibt Hunderte von Anfragen. Ich glaube, die Kölner müssen anfangen, die Politik für sich greifbar zu machen. Man wird die Politik nicht zu den Menschen hinbewegen können, sondern die Menschen sollen noch aktiver auf die Politik zugehen. Sie sollen ihre Nöte und Sorgen mitteilen, und zwar ruhig auch der Kommunalpolitik. Denn so weit sind wir gar nicht entfernt. Ich bin auch ein ganz normaler Typ, der zu Hause mit Wasser kocht. Und ich hatte einen ganz interessanten Mailverkehr mit einem Biologie-Studenten. Es ging um die Katzen am Großmarkt. Ich sagte ihm, weil Sie das ja kennen, dort wird abgerissen. Er sagte, das sei total schade. Und er fragte, was ich denn als Oberbürgermeister machen würde. Ich habe ihm ganz ausführlich geantwortet. Er sagte: “So ein Zufall, mir hat keiner von den anderen OB-Kandidaten geantwortet.” Das wollte er mir noch mal rückmelden. Und ich habe ihm dann gesagt: “Lassen Sie uns doch in Kontakt bleiben. Sie haben eine Idee von Köln, Sie haben eine Idee von diesem Großmarkt. Und ich kann nur davon lernen.” Ich bin ja nicht allwissend und habe kein Allheilmittel. Ich kann nur von den Menschen lernen, die sich damit auskennen. Und ich glaube, das war für ihn ein total überraschender Moment, weil er gesagt hat: “Damit habe ich nicht gerechnet, dass diese Art von Antwort kommt.” Man kriegt von der Politik oft Phrasen, mit denen man im ersten Moment zufrieden ist, weil man denkt: “Das hört sich aber super an, was der da sagt.” Aber im Endeffekt ist das eigentlich auch nur heiße Luft. Deswegen ist für mich wichtig, auch in den nächsten fünf Jahren, sollte ich nicht Oberbürgermeister werden, dass die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten immer noch zu mir kommen können und müssen. Denn nur gemeinsam können wir diese Stadt verändern. Das wird ja nicht von oben diktiert, sondern ganz im Gegenteil, das ist eine gemeinschaftliche Arbeit. Und ich bin ja auch immer noch Bürger dieser Stadt. Zwar der erste Bürger, aber immer noch Bürger. Ich hoffe, dass, wenn man den Kontakt miteinander hält, das auch in Köln eine ziemlich tolle Sache werden kann.

    Frage von CNC:

    Welche Rolle spielen dabei Jugendliche?

    Antwort von Matthias Büschges:

    Kinder und Jugendliche sind gerade diejenigen, denen man am meisten zuhören müsste. Denn ihr seid nah an eurer Lebenswirklichkeit. Ihr habt die Infrastruktur Schule, ihr habt die Infrastruktur, um hierherzufahren. Ich weiß nicht, ob man hier gut auf die Toilette gehen kann. Ich müsste mich damit gleich mal beschäftigen. Aber das sind Dinge, die kann zum Beispiel die Kommunalpolitik viel eher lösen. Und wenn ich die Schüler direkt frage: “Was wäre euch wichtiger? Eine Städtepartnerschaft mit irgendeiner Stadt in, keine Ahnung, Kanada, oder saubere Schultoiletten?”

    Antwort von CNC:

    Dass unsere Schultoiletten sauber sind.

    Antwort von Matthias Büschges:

    Das ist zum Beispiel Politik zum Anfassen. Wir müssen anfangen, Prioritäten zu setzen, aber auch den Menschen zuzuhören, die nah an diesen Problemen dran sind. Also in dem Fall euch. Ich finde es ein Unding, dass die Schultoiletten – alle, auf denen ich bisher war – in einem miserablen Zustand sind. Wir haben in Pulheim zum Beispiel, oder war es in Wesseling, ich weiß nicht mehr genau, wurden die Eltern aufgefordert, die Schultoiletten mit zu sanieren. Ganz ehrlich, wir haben so viele Steuereinnahmen. Dafür muss doch Geld übrig sein. Deswegen glaube ich, wenn man sich viel mehr auf sich selbst konzentriert und dabei vor allem den Blick auf Kinder und Jugendliche richtet, die eben nah an diesen Problemen dran sind, ihnen zuhört und sie mit einbindet, dass wir dann ganz viele Probleme lösen können.

    Das kann doch nicht zufriedenstellend sein. Es ist weder für Schüler zufriedenstellend, weil sie in eine sanierungsbedürftige Schule kommen und aus dieser sanierungsbedürftigen Schule auch wieder gehen. Die Politik versagt also in so vielen Dingen, und auch das ist ein riesiger Ansporn, den Kontakt zu den Menschen zu halten. Dann gehören natürlich Kinder, Jugendliche und Studenten dazu. Ihnen muss man aber aktiv zuhören. Deswegen sage ich: Schreibt mir einen Wunschzettel, den nehme ich mit. Natürlich muss ich das dann mit allen anderen Schülern auch machen. Aber wenn man radikal den Rotstift ansetzt, zum Beispiel bei Projekten, die niemals eine Demokratieklausel unterschreiben würden – die gibt es ja auch –, dann streicht man diesen die Mittel. Und dann ist auf einmal ein Klassenzimmer restauriert oder Toiletten oder eine Aula. Denn ich finde es ist ein Unding, dass wir das von Eltern abverlangen, die sowieso schon so viele Steuern zahlen. Und von Kindern und Jugendlichen, die sowieso schon mit dieser Realität konfrontiert sind, was der Staat eigentlich nicht für sie tut. Wieso soll man denn dazu motiviert werden, Steuern zu zahlen? Weil es die Eltern gemacht haben? Und da sind Kinder und Jugendliche sowieso viel weiter als Erwachsene, weil sie die Zusammenhänge auch eher hinkriegen. Globalisierung findet ja vor allem übers Handy statt. Dafür braucht man keine Zwangsfusion mit einer anderen Kommune, sondern man kann das Geld eher einsparen.

  • Interview mit Oberbürgermeisterkandidat Kockerbeck von den Linken

    Interview mit Oberbürgermeisterkandidat Kockerbeck von den Linken

    „Köln muss sozial gerechter werden“

    Wir haben mit dem Kölner Oberbürgermeisterkandidaten Kockerbeck über seine politischen Ziele, persönliche Werte und Visionen für die Stadt gesprochen.

    Politische Schwerpunkte

    Frage: Herr Kockerbeck, welche politischen Schwerpunkte möchten Sie in Köln umsetzen?

    Kockerbeck: Mein Ziel ist, dass Köln deutlich sozial gerechter wird. Dafür brauchen wir eine starke soziale Infrastruktur: wohnortnahe Kitas mit guter Personalausstattung, ausreichend Schulplätze und vor allem bezahlbaren Wohnraum.

    Frage: Wie wollen Sie das in Zusammenarbeit mit anderen Parteien erreichen?
    Kockerbeck: Ich möchte eine zweite städtische Wohnungsgesellschaft gründen. Denn die private Wohnungswirtschaft baut fast nur Luxuswohnungen, keine bezahlbaren. Hier sehe ich auch Anknüpfungspunkte mit anderen Parteien, die SPD unterstützt das, bei den Grünen ist es umstritten. Ich hoffe aber auf eine breite Mehrheit.

    Frage: Köln hat viele Baustellen: Verkehr, Wohnen, Digitalisierung. Wo sehen Sie die größte Dringlichkeit?
    Kockerbeck: Wohnen ist für mich das zentrale Thema. Es braucht ein starkes Wohnungsamt, das Mieterschutz ernst nimmt und gegen Mietwucher vorgeht. Außerdem soll die neue Wohnungsgesellschaft 2000 Wohnungen pro Jahr bauen.

    Gesellschaft und Stadtleben

    Frage: Was möchten Sie für Jugendliche, Studierende und Familien konkret verbessern?
    Kockerbeck: Familien brauchen bezahlbaren Wohnraum und einen guten öffentlichen Nahverkehr. Jugendliche müssen am Wochenende oder abends problemlos in alle Stadtteile kommen, das geht nur mit besseren Verbindungen. Wichtig sind auch sichere Radwege und mehr Jugendzentren, besonders in Stadtteilen mit geringem Einkommen.

    Frage: Welche Maßnahmen planen Sie gegen soziale Ungleichheiten?
    Kockerbeck: Soziale Ungleichheit zeigt sich vor allem beim Wohnen. Hohe Mieten belasten besonders ärmere Familien. Deshalb brauchen wir mehr städtische Kitas und eine bessere Infrastruktur in allen Vierteln.

    Frage: Und wie fördern Sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer vielfältigen Stadt wie Köln?
    Kockerbeck: Soziale Gerechtigkeit stärkt automatisch den Zusammenhalt. Wenn Menschen das Gefühl haben, benachteiligt zu sein, entstehen Spannungen. Köln muss eine Stadt sein, die alle Menschen unterstützt, das schafft ein positives Klima.

    Persönliche Motivation

    Frage: Was hat Sie dazu bewegt, für das Amt zu kandidieren?
    Kockerbeck: Ich bin Lehrer und sehe täglich, wie schwierig das Leben für viele Familien ist. Niedrige Einkommen, wenig Zeit für Kinder, das darf nicht sein. Darum engagiere ich mich.

    Frage: Welche Werte prägen Ihre Politik?
    Kockerbeck: Freiheit, Solidarität, Selbstbestimmung und Demokratie. Ich möchte, dass alle Menschen mitbestimmen können und selbstbestimmt leben.

    Frage: Was unterscheidet Sie von anderen Kandidatinnen und Kandidaten?
    Kockerbeck: Ich sage auch, wie wir das alles finanzieren wollen: durch eine moderate Erhöhung der Gewerbesteuer. Das würde Köln rund 130 Millionen Euro mehr pro Jahr bringen. Außerdem will ich bundesweit mehr Geld für die Kommunen einfordern.

    Globale Verantwortung

    Frage: Welche Verantwortung trägt Köln in der globalen Klimakrise?
    Kockerbeck: Eine sehr große Rolle. Wir müssen den Autoverkehr reduzieren, indem wir Bus und Bahn sowie Radwege ausbauen. Auch die Wärmewende , also klimafreundliches Heizen, ist entscheidend.

    Frage: Wie kann Köln internationaler werden?
    Kockerbeck: Köln ist längst eine Einwanderungsstadt. Wichtig ist, dass sich alle Jugendlichen angenommen fühlen. Austauschprogramme müssen für alle Schulen zugänglich sein, auch in Vierteln, in denen Eltern sich Reisen oft nicht leisten können.

    Ziele und Wünsche

    Frage: Wo sehen Sie Köln in fünf Jahren?
    Kockerbeck: Ich wünsche mir, dass wir viele neue Stadtbahnverbindungen haben, etwa nach Rondorf oder in den Kölner Norden. Außerdem mehr bezahlbare Wohnungen und genügend Gesamtschulplätze, damit kein Kind mehr abgewiesen wird.

    Frage: Was wünschen Sie sich von den Bürgerinnen und Bürgern?
    Kockerbeck: Eine aktive Stadtgesellschaft! Menschen sollen Missstände ansprechen, protestieren und sich einmischen. Nur so bewegen wir Köln gemeinsam.

    Frage: Welche Rolle spielen gerade junge Menschen?
    Kockerbeck: Jugendliche sollen ihre eigenen Vorstellungen von einer lebenswerten Stadt entwickeln und Forderungen stellen. Dafür brauchen wir mehr Partizipation und Freiräume.

    Frage: Und was wäre für Sie ein persönlicher Erfolgsmoment?
    Kockerbeck: Wenn die Stadtpolitik spürbar sozialer wird und die Menschen merken: Köln bewegt sich in die richtige Richtung. Dann hat sich meine Kandidatur gelohnt.

    Insgesamt handelte es sich um eine ausgesprochen bereichernde und zugleich hochinteressante Erfahrung, die nicht nur neue Einblicke eröffnete, sondern auch zu weiterführenden Fragen und Diskussionen anregte.