Kategorie: Unsere Schule

  • Allein über den großen Ozean

    Allein über den großen Ozean

    Lina Rixgens ist ehemalige Kreuzgässlerin und übersegelte 2017 den Atlantik, Wir haben mit ihr ein Interview geführt und ihr Fragen zu dieser Erfahrung und ihrer Zeit an der Kreuzgasse gestellt.

    Wann genau waren Sie an der Kreuzgasse und wann haben SieAbitur gemacht?

    Ich war von 2004-2012 an der Kreuzgasse und habe 2012 Abi und AbiBac gemacht.

    Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an die Kreuzgasse?

    Grundsätzlich der französisch-bilinguale Zweig, der einem einfach tolle Möglichkeiten z.B. zu Schüleraustauschen eröffnet. Insgesamt hat die Kreuzgasse einfach ein tolles internationales Flair!

    Wann haben Sie angefangen zu segeln?

    Im Alter von sieben Jahren. Während meiner Schulzeit war ich fast jedes Wochenende und in beinahe allen Ferien unterwegs. Und in der zehnten Klasse habe ich sozusagen mein Auslandsjahr auf einem Traditionssegelschiff gemacht und bin dort mit Schulunterricht an Bord sechs Monate von Deutschland nach Lateinamerika und zurück gesegelt.

    Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Atlantik zu umsegeln?

    Die Idee dazu, lange Strecken im Wettkampfmodus zu fahren, kam nach der Tour mit dem Traditionsschiff. Regatten, also Wettkämpfe, bin ich schon gefahren seitdem ich sieben Jahre alt war, aber nun hatte ich auch richtig Lust, lange Zeit am Stück zu segeln. So viele Tage und Wochen am Stück auf dem Wasser zu sein, fand ich großartig. Diesmal aber im Regattamodus.

    Wie lange dauerten die Vorbereitungen?

    Ich habe mich zwei Jahre lang mit meinem Boot auf die Transatlantik-Regatta vorbereitet. Dafür habe ich mein Studium für ein Jahr pausiert und bin nach Frankreich gezogen. Dort habe ich mit einer Trainingsgruppe trainiert und bin einige Qualifikationsregatten gesegelt. Ich musste zur Qualifikation auch einen zehntägigen Törn alleine von Frankreich nach Irland und zurück machen, der hatte es ganz schön in sich. Für die eigentliche Atlantiküberquerung habe ich mein Boot nochmal gründlich überholt und durchgecheckt, habe mich auf die Wetterverhältnisse auf der Strecke vorbereitet und mich insgesamt fit gehalten.

    Was isst man auf so einer Reise?

    Gegessen habe ich gefriergetrocknete Tütennahrung, die man nur noch mit heißem Wasser aufgießen muss. Das spart Gewicht und ist auch bei schwierigen Wetterverhältnissen gut zuzubereiten.

    Wie lange dauerte die Reise und wie alt waren Sie?

    Die Regatta über den Atlantik heißt “Mini Transat”. Dabei segeln 90 Boote gegeneinander, jeder ist alleine auf seinem Boot. Sie findet in zwei Etappen statt. Die erste Etappe ging von La Rochelle an der französischen Atlantikküste nach Gran Canaria auf den Kanaren. Für diese Etappe habe ich elf Tage gebraucht. Nach drei Wochen Pause auf den Kanaren ging es dann auf die zweite Etappe nach Martinique in der Karibik. Da war ich 18 Tage unterwegs, die längste Zeit, die ich bisher alleine auf meinem Boot war. Ich war 23 Jahre alt, 2017 war das.

    Wie gut muss man segeln können, um so etwas zu unternehmen?

    So etwas macht man nicht von heut auf morgen. Ich segle seit ich sieben bin, bin zwölf Jahre lang Jollen-Regatten gefahren und dann nach und nach in die Hochseesegelszene reingekommen. Erst bin ich mit anderen zusammen gesegelt und hatte dann den Traum, alleine an der “Mini Transat” teilzunehmen. Und dafür habe ich dann alles gegeben, viel trainiert, vorbereitet und ausprobiert. Man sollte auf jeden Fall sicher navigieren können und sein Boot in- und auswendig kennen. Aber vor allem muss man viel Zeit zum Üben auf dem Wasser investieren.

    Gab es gefährliche oder heikle Situationen?

    Schwierige Situationen gab es auf jeden Fall, das gehört dazu. Aber man reagiert meistens in der Situation einfach, macht das, was nötig ist und denkt nicht viel darüber nach. Ich hatte zum Beispiel auf der ersten Etappe an der Nordwest-Ecke von Spanien bei viel Wind und Welle Probleme mit meinem Autopiloten. Der steuert das Boot, wenn ich schlafe oder esse. Und nun musste ich selber für zwei Tage und Nächte steuern und konnte nicht mehr schlafen. Als ich von dem Schlafmangel Halluzinationen bekommen habe, wurde es schon etwas grenzwertig.

    Wie groß war das Boot? 

    Das Boot war nur 6,50m langund 3m breit. Es ist komplett darauf ausgelegt, schnell zu segeln. Luxus wie eine Toilette, Küche oder eine Koje sucht man vergebens

    Was ist Ihnen von Weltumsegelung besonders der in Erinnerung geblieben?

    Vor allem das Gefühl, eins zu sein mit seinem Boot. Wenn man Stunde um Stunde die Wellen runtersurft, möglicherweise noch Delfine oder fliegende Fische dazu kommen, ist das einfach ein großartiges Gefühl. Und natürlich die Ankunft im Ziel in der Karibik! Das ist unbeschreiblich, wenn man ein Ziel erreicht, auf das man mehrere Jahre lang hingearbeitet hat und wenn man nach 18 Tagen allein auf dem Meer wieder Menschen sieht, eine Nacht durchschlafen darf oder frisches Obst essen kann.

    Was machen Sie jetzt?

    Ich lebe in Hamburg und arbeite als Ärztin in der Anästhesie an einer großen Hamburger Klinik. Hochseeregatten segle ich aber immer noch in jeder freien Minute, inzwischen aber zu zweit und auf einem neun Meter langen Boot.

  • Frieren und Schwitzen – muss das so bleiben?

    Frieren und Schwitzen – muss das so bleiben?

    Kaputte Heizungen im Winter, überhitzte Räume im Sommer, überhitzte Räume sogar im Winter, so dass alle Fenster aufgerissen werden müssen und es wieder zu kalt wird, im Mai Heizungen, die auf fünf einfach weiterbullern, selbst wenn es draußen bis an die 30°Grad wird… Wer hat sich an der Kreuzgasse nicht schon darüber gewundert und beklagt?

    WARUM DAS SO IST? – DIE SACHE IST UNKLAR!

    Die Schule soll ein geschützter Raum sein, in dem Schüler in einem gesunden, angenehmen Arbeitsumfeld lernen können. Dabei sitzen wir Kreuzgässler Jahr und Tag in stickigen oder kalten Räumen und müssen bei einer Außentemperatur von

    28°Grad in überhitzten Räumen weiterlernen. Dass dabei nicht nur wir, sondern auch die Umwelt und der sowie so schon schmale Geldbeutel der Stadt leidet, kommt noch hinzu.

    Denn sobald es in den zu heißen Räumen zu stickig wird, öffnen alle natürlicherweise die Fenster. Allerdings können die Heizungen währenddessen nicht abgeschaltet werden, was eine Menge Energie vergeudet. Sowohl auf Kosten der Stadt, also auch auf Kosten der Umwelt. Warum das bei uns nicht anders geht, ist eine große Frage, denn andere Schulen, sogar Kölner Schulen, haben dieses Problem nicht.

    Dass es in der Erzbischöflichen Liebfrauen Schule funktioniert, dürfte uns nicht verwundern, denn diese private Schule ist nicht vom Staat und seinen

    langsamen, komplizierten Praktiken abhängig. Aber sogar im staatlichen Friedrich-Schiller-Gymnasium scheint es eher reibungslos    abzulaufen, nur  wieder  einmal  nicht  an unserer guten alten Schule…

    Gründe, die für diesen Missstand verantwortlich sind, kann es mehrere geben. Einerseits mag das Alter und die Unmodernität der Schule dazu beitragen. Doch vielleicht beruht alles auf einem ziemlich großen Missverständnis.

    Herr Özçelik, unser Hausmeister, hat auf Nachfrage angegeben: „Für das Heizungsproblem kann ich nichts. Die Gebäudewirtschaft gibt mir eine Heizperiode an und außerhalb dieser Zeit wird das Gas von denen abgestellt.“ Die Stadt Köln beteuert dagegen, es müsse ein Missverständnis vorliegen. Ein Sprecher der Stadt Köln sagt etwa: „Die Hausmeister haben grundsätzlich nicht nur die Möglichkeit, sondern sogar die Verpflichtung, die Heizung im Frühjahr aus- und im Herbst wieder anzustellen.“ – Doch ob die Sache damit geklärt ist, ist fraglich.

    NUR EIN TEIL DER ANTWORT

    Vermutlich ist die Aussage des Presseamts nur ein Teil der Antwort. Die Frage ist nämlich zusätzlich, ob der Hausmeister die Befugnis hat, nach Gutdünken die Heizungen abzustellen. Also ob er etwa an einem Tag im April, an dem die von der Gebäudewirtschaft angewiesene Heizperiode noch läuft, die Temperaturen aber bis 30°Grad steigen, entscheiden darf, die Heizung zentral für diesen genauen Tag abzustellen…

    Auf die Frage, ob der Hausmeister solch eine Entscheidung selbstständig treffen darf, antwortet der Pressesprecher nicht, führt aber aus, die Heizungen sollten über einen Außentemperaturfühler verfügen, der die entsprechende Vorlaufwärme (die Temperatur des Heizwassers, das den Heizkörpern zugeführt wird) erzeugen kann. Diese Wärme können die Heizkörper dann mit Hilfe von Thermostaten der Raumtemperatur anpassen. Natürlich ist es in unserer renovierungsbedürftigen Schule fraglich, ob es solche modernen Techniken gibt. Doch auch diese Befundmeldung liegt, laut Stadt, in Händen des Hausmeisters.

    Wie dem auch sei, ganz klar ist, dass alle diese Heizungen gewartet werden müssten, denn ab und zu wird das durch zu viel Luft hervorgerufene Grummeln in den Heizkörpern wirklich sehr laut.

    Auch mag es sein, dass im Laufe der Schulrenovierungen das Heizsystem sowieso saniert werden soll.

    Doch wir Schüler können nicht darauf warten!

    Damit wir in einem guten Klima lernen können, brauchen wir gut temperierte Räume und nicht nur wir, sondern auch die Umwelt verlangt danach.

    Da wir aber als Schüler durch das Gestrüpp von Verwaltung und Missverständnis nicht durchblicken und uns nicht durchschlagen können, hoffen wir, dass sich die Schule und der Schulleiter dieses Missstandes annehmen werden.

  • 8 Jahre an der Kreuzgasse: Alles fing an mit einer Sonnenblume…

    8 Jahre an der Kreuzgasse: Alles fing an mit einer Sonnenblume…

    Ich erinnere mich noch ganz genau an meinen ersten Schultag an der Kreuzgasse. Ich

    trug eine weiße Jeggings und mein Lieblings-Shirt.

    Dieser Tag war nicht nur mein erster Schultag, sondern auch der letzte Tag, an dem ich

    meine beiden Elternteile gemeinsam an demselben Ort erlebt habe.

    Herr Ruschmeyer – unser damaliger Schulleiter- hielt an diesem Tag eine Rede, in der er

    die wichtigsten Werte unserer Schule vermittelte. Er verbot uns das Mobbing und lehrte

    uns, dass Zusammenhalt und Freundschaft wichtiger ist als eine Fünf in Mathe. Damals

    verstand ich nicht, weshalb Mathe so schwer sein sollte. Es waren doch nur Zahlen und

    höchstens Pizzen, die halbiert werden mussten. Bis ich dann irgendwann selbst nur

    noch Fünfen in Mathe schrieb. Woher hätte ich auch wissen sollen, dass auch

    Buchstaben einen Wert haben?

    Somit wurde ich der Klasse 5A von Frau Meuser und Herrn Nerl zugeteilt. Wer diese

    beiden Lehrkräfte kennt, kann sich bestimmt vorstellen, wie feierlich und bunt sowie

    sportlich und motivierend meine ersten zwei Schuljahre waren.

    Ich kann mich nicht über meine ersten Lehrkräfte an der Kreuzgasse beschweren:

    Herr Nerl zwang uns dazu, uns in jeder Unterrichtsstunde zu bewegen, kam immer zu

    spät und hatte den leckersten Tee und das beste Frühstück (und Muskeln), um die wir

    ihn beneideten. Frau Meuser nannte uns liebevoll „Eumel“ und „Affenärsche“, erzog uns

    zu kölschen Jecken und kam ebenfalls immer zu spät.

    Meine ersten Lehrer*innen an der Kreuzgasse werde ich mein Leben lang nicht

    vergessen. Sie lehrten uns den Zusammenhalt, von dem Herr Ruschmeyer am ersten

    Schultag sprach – unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“.

    Irgendwann kam ich dann in die siebte Klasse. Die siebte Klasse war für mich der

    Höhepunkt der Pubertät. Für uns war diese Phase ziemlich eigenartig, denn wir mussten

    sie zuhause in Quarantäne verbringen.

    LEUTE ICH DACHTE QUARANTÄNE IST 2 WOCHEN LANG

    DANN MÜSSEN WIR DIE GANZEN SOMMERFERIEN IN QUARANTÄNE VERBRINGEN,

    WENN DIE ZAHLEN WIEDER HOCH GEHEN

    Leute, ich hab Corona

    Als Corona sich Anfang 2020 ausbreitete, las ich eine Nachricht im Klassenchat:

    „Wir müssen alle wahrscheinlich in Quarantäne, und die Schulen werden

    geschlossen“.

    Ich nahm diese Nachricht zuerst nicht ernst und lachte nur darüber. Zwei Wochenspäter wurde offiziell bekannt gegeben, dass die Schulen schließen würden.

    Hieß das etwa Ferien?

    Nein, keine Ferien. Stattdessen hieß es erst mal Zoom-Meeting und dann Teams und

    EVA.

    In dieser Zeit lernten wir, wie sehr man den Alltag an der Kreuzgasse vermissen konnte.

    Selbst die anstrengenden Treppen zu dem Kunstraum von Frau Kügler fehlten uns

    plötzlich. Bis heute trage ich das Geheimnis in mir, dass ich während der Pandemie

    heimlich die Schule und dessen verbotene Terrasse besucht habe.

    Man könnte davon ausgehen, dass die Quarantäne unsere Sozialisierung begrenzt hat.

    Hat sie auch. Aber ich habe von Herrn Nerl gelernt, dass man etwas erreichen kann,

    wenn man es wirklich möchte. So entstand eine meiner besten Freundschaften

    ausgerechnet während der Corona-Pandemie.

    Freundschaft. Ein wichtiger Faktor in meiner Schullaufbahn. Freunde spielen eine

    zentrale Rolle in der Schule. Sei es bei der Partnerarbeit in Klassenarbeiten, bei der

    heimlichen Hilfe in den Tafeltests von Herrn Jürgens oder beim Verschenken von

    Pfandflaschen, damit der Mitschüler 50 Cent für einen PickUp aus der Cafeteria

    zusammenbekommt. Freundschaft formt die Motivation, Freude und die Sicherheit in

    der Schule. Freunde erinnern einen an die Irrelevanz der Fünf in Mathe, welche Herr

    Ruschmeyer uns damals erklärt hat.

    Natürlich gibt es Höhen und Tiefen, welche ich auch erleben durfte. Ich habe immer viel

    gelacht, aber auch oft geweint. Ich möchte nicht zählen, durch wie viele Depressionen

    ich während meiner Schulzeit gegangen bin. Doch ich habe gelernt, die Hoffnung auf

    eine schöne Zukunft nicht aufzugeben.

    Die einzige Hoffnung, die ich aufgegeben habe, ist die Sanierung der Kreuzgasse.

    Vielleicht können irgendwann meine Kinder wieder darauf hoffen.

    Deshalb haben wir uns dazu entschieden, die Kreuzgasse bei unserem Abi-Gag selbst

    zu sanieren.

    Nun habe ich mein Abitur in der Tasche. Ich verlasse die Kreuzgasse mit meinen

    Mathekenntnissen aus der sechsten Klasse, mit einem C1 Englisch Niveau, einem

    immer noch gebrochenen Französisch, einer Aktie aus dem SoWi-Unterricht und einer

    Leidenschaft zu Siegmund Freud und Franz Kafka (Psychos).

    Besonders tief verankert bleiben jedoch meine Erlebnisse an der Kreuzgasse:

    Das Rundlauf-Spielen mit der ganzen Klasse, während Frau Knauer denkt, wir seien auf

    der Toilette, der fälschliche Amokalarm, der uns alle erschreckte, die Klassen- und LK-

    Fahrten oder mein Lachen über die unlustigen Witze von Herrn Averdick.

    Hiermit nimmt meine Zeit an der Kreuzgasse ein bittersüßes Ende.

    Jeder von uns ist nun zu einer wunderschönen Sonnenblume herangewachsen.

    Liebe Kreuzgasse, vergiss uns nicht, denn wir werden dich niemals vergessen

  • Kleiderordnung – notwendig oder überflüssig? Eine Diskussion.

    Kleiderordnung – notwendig oder überflüssig? Eine Diskussion.

    Es wird langsam Sommer, Kleidung wird weniger. Immer wieder gibt es an der Kreuzgasse dazu Meinungsverschiedenheiten. Vor kurzem wurde das Thema Kleiderordnung für Schüler:innen auch in der SV diskutiert. Dazu habe ich ein Interview mit Frau Hoerner geführt und habe auch andere Lehrer:innen und Schüler:innen gefragt, was sie von einer Kleiderordnung für Schüler:innen halten. Die Antworten wurden anonym gehalten.

    Interviews: Redakteurin Betül

    CNC: Was ist für Sie geeignete Kleidung in der Schule?

    H: Aus meiner Sicht hat die Frage, ob Kleidung angemessen ist oder nicht, etwas mit der Situation zu tun, in der ich mich befinde. Auf dem Abi-Ball werde ich anders gekleidet sein als beim Wandern in den Bergen. Und in der Schule anders als im Strandurlaub. Nun kann man fragen: Was ist den angemessen für die Schule? Und hier gibt es keine einfache allgemeingültige Antwort.

    CNC: Was halten Sie grundsätzlich von einer Kleiderordnung an der Kreuzgasse?

    Das wurde in den letzten Jahren oft diskutiert: z.B. keine Jogginghosen, eine Mindestlänge bei Shorts oder auch kein “bauchfrei”. Was sollte denn das Ziel einer Kleiderordnung sein? Es gibt Jogginghosen, die aus hochwertigem Material sind und sehr schick aussehen. Und es gibt Jogginghosen, die eher unansehnlich sind. Was die Mindestlänge betrifft: Wer soll das nachmessen? Daraus können neue Diskussion und unangenehme Situationen entstehen. Ich würde mir wünschen, dass es ein Bewusstsein dafür gibt, dass Schule ein Arbeitsplatz ist. Für Lehrer:innen und für Schüler:innen. Wenn du mich konkret nach meiner persönlichen Meinung fragst: ich möchte keine Bauchnabel, Pobacken, Brusthaare oder tiefe Dekolletés in der Schule sehen.

    CNC: Haben Sie das Gefühl, das dieses Thema geschlechterabhängig ist, z.B. das Mädchen eher kritisiert werden, wenn sie knapp bekleidet sind, als Jungs?

    H: Ich kann mich an eine Zeit erinnern, in der Jungen sehr tief sitzende Hosen trugen. Auch da würde ich sagen: Ich möchte in der Schule nicht die Unterwäsche meiner Schüler:innen sehen. Ich verstehe, dass “Sich-kleiden” Ausdruck von Persönlichkeit und Persönlichkeits-entwicklung ist. Und von Zugehörigkeit und dem, was gerade “in” ist. Es gehört dazu, sich von anderen abzugrenzen und Neues auszuprobieren. Auch hier möchte ich dafür werben: Die Schule ist nicht die Freizeit. Bei uns gibt es die Schulpflicht. Keiner kann sich diesem Raum entziehen. Und wir sollten diesen Raum Schule so gestalten und uns dort so verhalten, dass alle sich wohlfühlen. Es wird immer wieder ein Aushandeln sein zwischen Fürsorge für sich selbst und Fürsorge für die Schulgemeinschaft. Kein Junge zeigt so viel Haut wie manche Mädchen.

    Was meinen denn andere Lehrer:innen der Kreuzgasse?

    Lehrkraft 1: Kleidung sollte frei wählbar sein – jede und jeder sollte sich wohlfühlen. Wichtig ist nur, dass sie angemessen und nicht übertrieben wirkt – also kein Outfit, das zu vielAufmerksamkeit auf sich zieht und oder andere stören könnte. Es soll einer Lernatmosphäre förderlich sein, ohne jemandem in ihre/seine Persönlichkeit einzugreifen.

    Lehrkraft 2: Alles was nicht ablenkt (zu viel oder häufiger zu wenig Stoff) zeigt, das man kein Interesse am Unterricht hat, z.B. Cappies, Mützen, ect. in Sommer sollten keine Schals und im Winter keine T-Shirts getragen werden. Generell würde ich mir wünschen, dass keine Kleiderordnung notwendig ist. Aber klar: Wie soll man ohne eine solche Regelung einzelnen SuS sagen, dass sie unangemessen gekleidet sind? Also: Ja, wir brauchen das, denn leider gibt es vereinzelt SuS, die sich meiner Meinung nach unangemessen kleiden. Die Frage nach Geschlechtsabhängigkeit fällt leicht: Kennt ihr Jungs, die so kurze Shirts tragen, das man quasi von Ansatz der Unterhose (falls man das immer so nennen kann?) bis kurz unter die Brust ihre Haut zeigen? Ich kann euch versprechen, dass das zu 100 Prozent ähnlich geahndet würde wie bei den Mädchen. Mir scheint es da ein Ungleichgewicht zu geben. Ich kenne keinen Jungen, der so viel Haut zeigt wie manche Mädchen.

    Überflüssig? Kontrolle? Ungerecht? Was Schüler:innen sagen

    Schüler:in 1: Ich finde eine Kleiderordnung an der Kreuzgasse komplett überflüssig. Warum sollte jemand vorschreiben dürfen, was wir anziehen dürfen und was nicht? Schule ist für Lehrer:innen ein Arbeitsplatz, für uns Schüler:innen aber nicht. Wir sind hier zum Lernen, und das in jedem Aspekt. Persönlichkeit, Kreativität und Meinungsbildung, Kleidung gehört da dazu!

    Ich finde eine Kleiderordnung weder sinnvoll noch gerecht. Sie ist übergriffig, veraltet und schränkt unsere Freiheit ein. Und das alles wegen ein bisschen Stoff mehr oder weniger? Mädchen sind von diesen Regeln auch stärker betroffen. Statt sie dazu aufzurufen sich zu bedecken, sollte man vielleicht überdenken, warum das überhaupt ein Problem sein soll. Vielleicht liegt es eher an Lehrer*innen, die sich darauf konzentrieren, statt sinnvollen Unterricht zu gestalten.

    Schüler:in 2: Ey ganz ehrlich, manche Leute übertreiben halt übelst mit dem Outfit. So ne Kleiderordnung wär schon nice, damit einfach alle bisschen drauf achten, was sie anziehen. Die Schule ist ja keine Modeschau.

    Schüler:in 3: Warum soll mir jemand vorschreiben, was ich anziehe? Solange es nicht beleidigend oder komplett freizügig und unangemessen ist, soll doch jeder machen, wie er sich wohlfühlt.

    Schüler:in 4: Wenn alle grob wissen, was geht und was nicht, gibts halt auch weniger Stress und Diskussionen mit Lehrern. Spart Zeit und Nerven.

    Schüler:in 5: Kleiderordnung klingt halt nach Kontrolle und null Freiheit. Schule ist eh schon stressig genug, dann auch noch Outfits regeln? Nee man.

  • Neubau und Sanierung: Die Zukunftspläne für unsere Schule – 1

    Neubau und Sanierung: Die Zukunftspläne für unsere Schule – 1

    Seit mehr als sieben Jahren werden die Generalsanierung und der Umbau unserer Schule geplant. Bald sollte die Renovierung eigentlich abgeschlossen sein, aber schaut man sich die Schule an, sieht man noch keine Fortschritte.Die Sanierung wird immer weiter nach hinten geschoben, was unter anderem auch an der sechsjährigen Planungszeit für den Entwurf liegt. Doch nun ist endlich ein erster Vorentwurf des Architekturbüros Nebelpössl erschienen, und im Jahr 2026 werden alle in ein Interimsschulgebäude aus Holz einziehen. Vielleicht klappt es ja. Redakteur Tom hat mit dem Architekten Peer Halfwassen über seine Pläne für die Kreuzgasse gesprochen.

    Was haben Sie für die Kreuzgasse geplant?

    Die denkmalgeschützten Gebäudetrakte aus den 1950er und 1960er Jahren sollen durch Renovierungsmaßnahmen erhalten bleiben, während neuere Gebäudeteile, darunter die in den 1980er Jahren errichtete Dreifachsporthalle, abgerissen werden. Auf dem Schulgelände entsteht ein moderner Neubau, der Räume für Unterricht, Verwaltung und Sport bietet. Der Neubau soll auch eine Sechsfachturnhalle und Dachgärten enthalten, die den durch den Neubau eingeschränkten Schulhof erweitern soll. Auch, wie es der erste Architekt der Kreuzgasse, Karl Hell, eigentlich angedacht hatte, sollen einige der Fenster des denkmalgeschützten Teils über dem Haupteingang bunt gemacht werden.

    Alte Rohrleitungen und veraltete Elektrik machten Neubau und Renovierungen unverzichtbar. Mit dem Projekt wird die komplette Gebäudetechnik auf den neuesten Stand gebracht. Außerdem soll die Renovierung ermöglichen, einen weiteren Klassenzug aufzunehmen.  Zusätzlich soll die geplante Sechsfachturnhalle zusammen mit dem Berufskollegium Ehrenfeld an der  Weinsberg-straße  genutzt werden, weshalb es zu den Turnhallen auch einen weiteren Zugang gibt.

    Was passiert während der Bauzeit mit der Schule?

    Bis das Bauprojekt abgeschlossen ist, wird es im Alltag für Schüler:innen und Lehrer:innen einige Herausforderungen geben. Der Unterricht wird in einen Interimsbau verlegt, der auf dem Sportplatz in Modulbauweise errichtet wird. Eine provisorische Turnhalle wird als Ersatz für den Sportunterricht genutzt werden. Die Bauarbeiten des Neubaus und des Altbaus sollen gleichzeitig stattfinden, so dass alle Schüler:innen im Interimsbau unterrichtet werden. Auch die naturwissenschaftlichen Fächer, die momentan im E-Trakt unterrichtet werden, werden in diesem Interimsbau unterrichtet werden. 

    Um die Details und die Besonderheiten der Renovierung zu verstehen, haben wir Peer Halfwassen vom Architektenbüro Nebel Pössl Architekten, dass die Sanierung des Gymnasiums Kreuzgasse plant, interviewt. Dabei ging es besonders um den Neubauteil der Schule, die neue Raumaufteilung und die Notwendigkeit einer nachhaltigen Bauweise, aber auch über die denkmalgeschützen Gebäudeteile und deren Renovierung.

    Um den gestiegenen Platzbedarf der Schule zu decken, wird im Neubaukonzept mit sogenannten Clusterräumen gearbeitet. Diese modernen Lernlandschaften ermöglichen eine flexible Raumnutzung und sollen den Unterricht in mehreren Fachrichtungen fördern. Im Bereich der Naturwissenschaften sind beispielsweise Labore und Klassenräume vorgesehen, die durch flexible Wandlösungen offen gestaltet und bei Bedarf geschlossen werden können. Zusätzlich werden Sicherheitsvorkehrungen wie neue Treppen-häuser und Rettungswege integriert.

    Ein bemerkenswerter Aspekt der Bauplanung ist die Entscheidung für einen nachhaltigen Modulbau des Interimgebäudes. 

    Da dieser dreigeschossige Interimsbau, der ab 2026 auf dem Sportplatz von allen Schüler:innen bezogen wird, für mehrere Jahre in Betrieb sein wird, soll er aus Umweltschutzgründen nicht wie das Modul auf dem Schulhof in Containern, sondern aus Holz gebaut werden. Diese Module können später abgebaut und an anderen Schulen oder anderen Projekten der Stadt Köln wiederverwendet werden.

    Der jetzige B-Trakt, also der Teil, wo sich Sekretariat und Aula befinden, soll soweit es geht Verwaltung bleiben, aber wird von innen erneuert. Auch der A-Trakt soll von innen erneuert werden, und Klassenräume, die für die Sekundarstufe I genutzt werden, bleiben erhalten.

    Warum hat es so lange gedauert, einen ersten Entwurf fertigzustellen?

    Die Planungszeit für den Neubau und die Sanierung unserer Schule hat sich ziemlich in die Länge gezogen, und das lag vor allem an den vielen Leuten und Firmen, die mitreden und mitentscheiden mussten. Außerdem hat die Planung, insbesondere mit dem Denkmalschutz, die Renovierung nach hinten verschoben. Auch die Suche nach Totalunternehmern hat das Projekt weiter verschoben.

    Was kostet das alles?

    Finanziell wird die Sanierung nicht günstig verlaufen. Die Kosten für die Renovierung und Sanierung unserer Schule werden derzeit auf ungefähr 50 bis 60 Millionen geschätzt, dazu kommt der Bau des Interims für ungefähr 56 Millionen Euro. Insgesamt wird das Projekt jetzt 

    auf 113 Millionen Euro geschätzt, wobei zusätzliche Kosten durch Inflation und steigende Rohstoffpreise erwartet werden.

    Wie geht es jetzt weiter? 

    Die Stadt sucht gerade einen Totalunternehmer, der Planung und Bau zusammen machen soll und so eine möglichst effiziente und kostensparende Umsetzung garantieren soll. 

    Durch den Einsatz eines Totalunternehmers muss die Planung noch einmal überarbeitet werden. Die vorherige Planung wird dabei nicht komplett verworfen, sondern als Inspiration genutzt. Der Totalunternehmer wird die Entwürfe so optimieren, dass das Budget eingehalten und die Pläne gegebenenfalls angepasst werden können. Die aktuelle Planung stellt somit nur eine Grundidee dar und wird vom Totalunternehmer noch verändert.