Interview mit Torsten Burmester, SPD-Kandidat für das Amt des Kölner Oberbürgermeisters

Torsten Burmester kandidiert für das Amt des Kölner Oberbürgermeisters. In diesem Gespräch spricht er über seine politischen Schwerpunkte, Herausforderungen für Köln und seine Pläne für die kommenden Jahre.

Frage: Welche politischen Schwerpunkte möchten Sie als Oberbürgermeister in Köln setzen?


Antwort: Mein größter Schwerpunkt ist bezahlbarer Wohnraum. Die meisten Menschen in Köln wohnen zur Miete, und die Angst um die eigene Wohnung beschäftigt viele. Deshalb will ich den Mieterschutz stärken. Dazu gehören eine gemeinwohlorientierte Wohnungspolitik, die Förderung von Genossenschaften und eine aktive städtische Wohnungsbauwirtschaft.

Frage: Köln ist eine wachsende Stadt mit vielen Baustellen, zum Beispiel im Bereich Schulen. Was möchten Sie diesbezüglich tun?


Antwort: Dringend notwendig ist ein koordiniertes Baustellenmanagement und eine geplante Verkehrswende, die alle Verkehrsträger berücksichtigt. Oft werden Entscheidungen isoliert getroffen, etwa zugunsten des Fahrrads, ohne die Auswirkungen auf andere Verkehrsteilnehmer mitzudenken. Deshalb brauchen wir einen starken öffentlichen Nahverkehr und eine ganzheitliche Planung. Sicherheit und Sauberkeit sind ebenfalls wichtige Themen, die ich direkt angehen möchte.

Frage: Viele Schulen in Köln, auch das Gymnasium Kreuzgasse, warten seit

Jahrzehnten auf Sanierungen. Was möchten Sie in diesem Bereich tun?
Antwort: Für die Ausstattung und die Gebäudehülle ist die Stadt zuständig. Wir haben es geschafft, neue Schulen zu bauen, aber die Sanierung bestehender Schulen ist ein großes Defizit. Das liegt vor allem daran, dass die Gebäudewirtschaft überlastet ist. Das Geld für Sanierungen ist da, aber die Umsetzung kommt nicht voran. Hier müssen wir dringend nachsteuern.

Frage: Was möchten Sie konkret für Jugendliche und Schüler verbessern?


Antwort: Wichtig ist Beteiligung. Erste Jugendvertretungen gibt es bereits in einigen Bezirksvertretungen, das muss auf die gesamte Stadt ausgeweitet werden. Außerdem brauchen Jugendliche Räume, in denen sie sich treffen können – Jugendzentren, offene Angebote, aber auch Plätze wie Skater- oder Bikeparks. Davon gibt es in vielen Stadtteilen noch zu wenige.

Frage: Welche Maßnahmen planen Sie gegen soziale Ungleichheiten in den Stadtteilen, zum Beispiel bei Obdachlosigkeit?


Antwort: Köln ist sozial geteilt, zwischen Innenstadt und Randbezirken gibt es große Unterschiede, etwa bei Kinderbetreuung oder der Lebenserwartung. Besonders die rechtsrheinischen Stadtteile haben großen Nachholbedarf bei Kitas und Schulen.
Beim Thema Obdachlosigkeit setze ich auf „Housing First“: Menschen brauchen zuerst eine Wohnung, um wieder Fuß zu fassen. Ich habe zum Beispiel Sigi kennengelernt, der obdachlos ist und sagt: „Wenn ich eine Adresse hätte, könnte ich wieder arbeiten.“ Solchen Menschen müssen wir eine Chance geben, mit Wohnraum, Tagesstruktur und Beschäftigungsmöglichkeiten.

Frage: Was hat Sie persönlich dazu motiviert, für das Amt zu kandidieren?
Antwort: Drei Gründe: Erstens ist Köln meine Heimat. Zweitens gibt es hier

große Herausforderungen, die dringend gelöst werden müssen. Und drittens ist die kommunale Demokratie ins Wanken geraten. Viele Menschen glauben nicht mehr daran, dass Politik ihr Leben verbessern kann. Deshalb mache ich einen Wahlkampf, der nah bei den Menschen ist, um Vertrauen zu gewinnen, und dieses Vertrauen als Oberbürgermeister auch einzulösen.

Frage: Was wird Köln gegen die globale Klimakrise tun?


Antwort: Köln hat selbstverständlich eine Verantwortung. Wir haben uns vorgenommen, klimaneutral zu werden. Aber Klimaschutz funktioniert nur, wenn er sozial gerecht umgesetzt wird. Wenn Menschen unter den Maßnahmen leiden, verlieren wir die Akzeptanz. Deshalb ist es mir wichtig, Klimapolitik immer mit sozialer Gerechtigkeit zu verbinden.

Frage: Wie kann Köln internationaler werden, zum Beispiel im Bereich Kultur oder Austauschprogramme?
Antwort: Köln ist schon heute sehr international – durch die Messe, international tätige Unternehmen, die Medien- und Games-Industrie sowie über achtzig Nationen, die hier leben. Internationalität ist unsere große Chance. Wir brauchen die klugen Köpfe aus aller Welt und müssen eine echte Willkommenskultur schaffen, gerade auch für Fachkräfte. Diese Internationalität sollten wir in allen Bereichen weiter stärken.

Frage: Köln ist auch Heimat vieler Migrantinnen und Migranten. Welche Rolle spielt die Stadt im Bereich Integration und kultureller Vielfalt?


Antwort: Integration und Vielfalt sind das Fundament Kölns. Die Stadt lebt seit jeher von ihrer Internationalität, von Offenheit und Zusammenhalt. Wir müssen dafür sorgen, dass alle Menschen unabhängig von Herkunft und Religion gleiche Chancen haben. Das bedeutet, Integration aktiv zu fördern, Diskriminierung entschieden entgegenzutreten und Räume für Begegnung zu schaffen.

Frage: Was möchten Sie in den ersten Tagen im Amt umsetzen?


Antwort: Ich will mich auf wenige, aber wichtige Ziele konzentrieren: Erstens das Thema Sauberkeit, zweitens die Neugestaltung des Neumarkts und drittens den Mieterschutz. Dazu gehören Milieuschutzsatzungen, Maßnahmen gegen Leerstand und Schrottimmobilien sowie eine Wohnungsleitstelle, die Beschwerden bündelt. Die Menschen in Köln sollen gleich zu Beginn spüren: Es bewegt sich etwas.

Frage: Wo sehen Sie Köln in fünf Jahren, wenn Sie Oberbürgermeister sind?


Antwort: Wenn es gelingt, die Benchmarks zu erreichen, die ich mir gesetzt habe, dann sehe ich Köln in einer deutlich besseren Situation: eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt, neue Arbeitsplätze, eine starke Industrie, die gleichzeitig Gewerbesteuern sichert, und eine lebendige Kultur- und Sportszene, die den sozialen Zusammenhalt stärkt.

Frage: Wie können sich junge Menschen einbringen, um gemeinsam Veränderungen zu erreichen?


Antwort: Mein Appell ist klar: Macht mit, beteiligt euch, bringt Ideen ein und mischt euch ein. Seid nicht leise, sondern gestaltet eure eigene Zukunft aktiv mit. Nicht wegducken, sondern mitdiskutieren – das ist entscheidend.

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