Zwischen Israel und Palästina: Eine Brücke des Dialogs

Am 30.10.2024 bot sich unserer Schule die besondere Gelegenheit, Shai Hoffmann, einen Deutschen mit israelischen Wurzeln, und Zakariyya Meißner, Deutsch-Palästinenser, bei uns willkommen zu heißen.

Was wir vom Besuch zweier Friedensaktivisten über Respekt und Perspektivenvielfalt lernen können

Am 30.10.2024 bot sich unserer Schule die besondere Gelegenheit, Shai Hoffmann, einen Deutschen mit israelischen Wurzeln, und Zakariyya Meißner, Deutsch-Palästinenser, bei uns willkommen zu heißen. Ihr Besuch eröffnete uns neue Perspektiven auf die Konflikte im Nahen Osten und vermittelte wertvolle Ansätze für einen konstruktiven Perspektivwechsel.

Wer sind Shai Hoffmann und Zakariyya Meißner? 

Ich hatte letztes Jahr die Gelegenheit, Jouanna Hassoun, eine Palästinenserin, und Shai Hoffmann, zu interviewen und ihnen brennende Fragen zu ihrer Arbeit zu stellen. Sie sind Gründer und Dialogführer von “Trialog” und besuchen Schulen, um mit Schülern über den Nahost-Konflikt zu sprechen und in den Dialog zu treten. Gemeinsam mit “Gesellschaft im Wandel” produzieren sie Bildungsvideos, stellen Begleitmaterial zur Verfügung und bieten Fortbildungen an, um umfassend über den Palästina-Israel-Konflikt zu informieren. Zakariyya Meißner, als Teil ihres Teams, besuchte uns im Oktober gemeinsam mit Shai Hoffmann. Leider konnte Frau Hassoun sie nicht begleiten.

Auf crossnewscologne.de können Sie sich das Interview vom letzten Jahr gerne durchlesen und mehr über Shai Hoffmann und Jouanna Hassoun erfahren.

Zakariyya Meißner musste sich sein Leben lang als Deutsch-Palästinenser rechtfertigen und Position beziehen. Während eines Aufenthalts in Israel traf er auf drei Israelis. Anfangs war er skeptisch und unsicher, wie sich die Situation entwickeln würde. Doch im Laufe des Gesprächs spürte er zum ersten Mal, dass niemand ihn aufgrund seiner Herkunft oder seines Glaubens verurteilte. In diesem Moment wurde ihm bewusst, wie wichtig der Austausch zwischen verschiedenen Gruppen ist und welche Bedeutung es hat, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Was kriegen wir vom Nahost-Konflikt mit?

Wir hatten die Gelegenheit, Begriffe zu nennen, die wir mit dem Nahostkonflikt assoziieren. Dabei fielen Worte wie „Krieg,“ „Leid,“ „Tod,“ „Staatsräson“ und „Hamas.“ Dieser Prozess ermöglichte es uns, tief empfundene Gedanken und Gefühle auszusprechen und sie mit anderen zu teilen. Der Zweck dahinter ist, zu verstehen, dass jeder auf unterschiedliche Weise von diesem Konflikt betroffen ist und dass wir gemeinsam Wege finden sollten, damit umzugehen.

Wie stehen die Trialoge zu diesem Konflikt? 

Shai und Zakariyya sind sich einig, dass es nicht darum geht, Schuldzuweisungen für den Konflikt vorzunehmen. Natürlich dürfen die Kriegsverbrechen Israels nicht ignoriert werden, ebenso wenig wie die verschleppten Geiseln der Hamas. Doch gegenseitige Schuldzuweisungen bringen keinen Fortschritt. Trotz der grausamen Handlungen sowohl von Israel als auch der Hamas ist es entscheidend, den verschiedenen Perspektiven in diesem Konflikt Gehör zu schenken. 

Bei der Diskussion und der Frage-Antwort-Runde kamen wichtige Themen hervor, wie zum Beispiel „Verständnis und Empathie“. Shai und Zakariyya betonen die Bedeutung, Empathie auf beiden Seiten zu entwickeln und das Leid der anderen zu erkennen.

Die Kriminalisierung von Symbolen wie der Palästinenser-Flagge oder dem Kofir (Palästinenser-Schal) in deutschen Schulen und Gesellschaften war ebenfalls ein Thema. Beide kritisieren, dass diese Symbole oft ohne Kontext als Zeichen für extremistische Positionen angesehen werden, wodurch die Bedeutung der Symbole, der Freiheit und Selbstbestimmung der Palästinenser ignoriert wird.

Zakariyya antwortet auf die Frage einer Schülerin, indem er das Gefühl des Alleingelassenwerdens, das sie beschreibt, nachvollzieht. Er betont, dass er dieses Gefühl auch gut kennt und es mit vielen Menschen teilt, die in Situationen geraten, in denen sie zu “Betroffenen” gemacht werden. 

Weiter erklärt er, dass er sich wünscht, dass diese Gespräche nicht nur geführt werden, sondern dass alle Beteiligten gemeinsam daran arbeiten, den Dialog zu fördern. Er fordert, dass man hinschaut und hinterfragt, warum solche Gespräche geführt werden sollten, um ein besseres Verständnis und eine breitere Anerkennung der verschiedenen Perspektiven zu schaffen. Die Trialoge distanzieren sich davon, die komplexen Themen des Nahost-Konflikts in ein vereinfachtes „Pro-Israel vs. Pro-Palästina“-Narrativ zu packen. Shai und Zakariyya fordern mehr Diskussionen, die nicht nur auf den moralischen Aspekten basieren, sondern auch auf den Grundrechten jedes Menschen und auf der Anwendung internationalen Rechts, wie dem Recht auf Selbstbestimmung. 

Am 7. Oktober ereigneten sich brutale Ereignisse, bei denen 1200 Menschen getötet und über 230 Menschen verschleppt worden sind. Im selben Jahr wurde der Gaza-Streifen nahezu vollständig zerstört, was die Grundlage für das palästinensische Leben komplett vernichtete und es über 43.600 Ermordete gab, darunter 16.700 Kinder. Solche Ereignisse sollten empathische und mitfühlende Menschen auf beiden Seiten bewegen.

Das Gespräch hat bei mir eine tiefe Nachdenklichkeit hinterlassen. Aber auch Hoffnung, weil ich sehen konnte, dass Menschen wie Shai und Zakariyya trotz aller Widrigkeiten den Mut und die Kraft aufbringen, Brücken zu bauen. Doch auch Traurigkeit, weil die Realität des Konflikts, die so oft missverstanden oder vereinfacht wird, immer noch eine große Distanz in unserer Gesellschaft schafft. Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen sich dieser intensiven Auseinandersetzung aussetzen und dabei versuchen, nicht in Vorurteilen oder Hass zu verharren. 

Wir als Gesellschaft sollten mehr Raum für Verständnis und echtes Zuhören schaffen. So dass wir Empathie entwickeln und versuchen, auch die schmerzlichen Perspektiven zu sehen.

Die Begegnung hat mich inspiriert, offener zu sein und immer wieder nach Wegen zu suchen, um Dialoge zu fördern und das nicht nur zwischen Nationen, sondern auch in unserem Alltag. Es bleibt mein Wunsch, dass solche Gespräche nicht die Ausnahme, sondern zur Regel werden, um zu einem wirklichen Verständnis beizutragen.

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